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Abenteuer aus dem Agentenleben

Romanskizzen von Markus Schäfer

I. Das Essen

Oje, das halt ich nicht länger aus. Mrs. X. hat mich mal wieder eiskalt abblitzen lassen. Dabei hab ich ihr doch ein so romantisches Abendessen beschert. Mensch, ich war ja so tapfer. Geduldig ertrug ich Ihren Vortrag über die neuesten Geheimprojekte. Stundenlang erläuterte Sie mir die Vor- und Nachteile unseres X-Waffen Arsenals. Als wenn ich das nicht schon wüsste..

"Oh, warum müssen Frauen ihren Beruf nur immer so ernst nehmen". Jedes mal, wenn sie mit dem Finger winkend "streng geheim" sagte, flogen mir Apfelkern große Tofustückchen aus ihrem zauberhaften Mund entgegen. Oh Mann, ich war mal wieder so scharf auf sie, dass ich jedes dieser Geschosse geduldig von meiner Nasenspitze abprallen lies. Auf keinen Fall durfte ich sie verärgern, sonst würde ich ja nie bei ihr landen.

Mit einem verlegenen Lächeln auf den Lippen beobachtete ich ihren Teller und war heilfroh, als sie nach all dem Labern, Schlucken und Spucken, mit einem Stück Weißbrot über den Tellerboden strich und ihr Mahl damit beendete. "Puh geschafft" murmelte ich vor mich hin, als der Kellner den Tisch abräumte. Zum Glück hat sie sich keinen Nachtisch mehr bestellt.

Da sie mich den ganzen Abend nicht zu Wort kommen lies, musste ich nun meine Chance ergreifen. Bei einem Glas Champagner, Kerzenlicht und romantischen Geigenklängen nahm ich zärtlich Ihre Hand. Ganz behutsam wollte ich ihr klarmachen, dass dies eigentlich kein Geschäftsessen sein sollte und ich eher ganz andere Absichten habe...

Aber das lange Zuhören hat mir total das Hirn ausgesaugt. Zwischen den Worten "Evelin..." und "....heute Nacht??", brachte ich nur ein jämmerliches "willst Du mit mir poppen" zustande.

Na ja, ich glaube wenn sie noch ein bisschen Tofu im Mund gehabt hätte, wäre der ganze Tofuschmotz ausnahmsweise mal absichtlich in meinem Gesicht gelandet und die anschließende Ohrfeige wäre auch ein bisschen abgedämpft gewesen. Mann war die sauer...

"Stell Dich nicht so an, das kann doch mal passieren, das ist mir nur so rausgerutscht" rief ich ihr noch hinterher. Aber sie drehte sich nicht mehr um.......

II. Die Konferenz

"Warum muss ich auch immer so große Augen machen wenn etwas zu essen auf dem Tisch steht" dachte ich mir, als ich heute Morgen den Konferenzraum betrat. Die Bohnen vom gestrigen Abendessen mit Mrs. X schienen sich zu rächen. In meinem Magen brodelte es wie in einem Kessel mit kochendem Wasser. Mit schweißnassen Schläfen betrat ich unseren streng geheimen Tagungssaal. Ausgerechnet an der Agenten-Hauptversammlung muss sich mein Magen Luft verschaffen.

Ich setzte mich an meinen vorbestimmten Platz neben Mrs. X und quetschte verkrampft meine Pobacken zusammen. "Bloß nicht furzen" dachte ich bei mir und versuchte mich mit Atemübungen abzulenken. Übertrieben freundlich in die Runde grinsend überspielte ich meine Situation perfekt. Doch die Sitzung schien kein Ende zu nehmen.

Ich hatte mir extra vorgenommen all meine Beiträge, welche mir übrigens immer sehr wichtig sind, großzügig auf die nächste Versammlung zu verschieben. Trotzdem ging es einfach zu lang... In einem letzten Aufbäumen versuchte ich die Gase abzuhalten und es schien mir, als könnte ich dabei noch freundlicher grinsen als je zuvor.

Doch es hatte alles keinen Zweck. In einem mir endlos erscheinenden pfeifend zischendem Ton entwich die ganze aufgestaute Luft auf einmal. Danach war es totenstill. Ein fauliger Verwesungsgeruch legte sich schwer über den Tagungsraum. So übel, dass es sogar mir selbst die Nasenflügel zusammenkleben lies. Alle Agenten starrten in meine Richtung.

"Oje, jetzt brauchst Du schnell eine Ausrede" dachte ich und sah zu Mrs. X hinüber. "Hey X", sagte ich mit fester Stimme, "wollen Sie das nicht lieber vor der Tür machen, hä?". Ein wohlwollendes Grinsen legte sich über die Gesichter meiner Mitagenten. Wer traut einer hübschen Frau wie "X" schon einen so deftigen Furz zu !!

Zum Glück war sie nicht so schlagfertig wie gestern und verrannte sich in einem dünnen "äh, das war ich nicht, ehrlich". Aber keiner wollte ihr so richtig glauben. "Das kann doch mal passieren", meinte ich zu ihr und rundete somit die ganze Sache ab.....

III. Geheimnisvoller Stoff

Zuerst hatte ich mich noch darüber aufgeregt, dass ich die ganze Woche mit Observieren beschäftigt war, doch dann schien es plötzlich interessant zu werden.... Cappo, der Boss dieser schmierigen Bande, zeigte sich am Zielort mit drei weiteren Kumpanen. Jede dieser zwielichtigen Gestalten trug einen schwarzen Aktenkoffer bei sich. Zwei von ihnen waren schwer bewaffnet.

Als sie das Haus betraten, konnte ich gerade noch so beobachten, wie die ersten beiden mit ihren Koffern in dem Raum rechts vom Flur verschwanden und wieder "ohne Koffer" zurück kamen. Dann klappte die Tür zu und das Licht wurde gelöscht.

Die Neugier ließ mir keine Ruhe. Ich näherte mich dem Gebäude und spähte zunächst aus, wo sich die Ganoven befanden. Drei Zimmer weiter brannte Licht. Durch das leicht milchige Fenster konnte ich einen Blick in das Innere des Raumes riskieren. Immer noch die Sonnenbrille auf der Nase, saßen sie mit ihren schwarzen Nadelstreifenanzügen um einen runden Tisch herum.

Einer der Ganoven holte einen Microspan-Beutel aus einem der mitgebrachten Koffer und überreichte diesen dem Boss. Cappo griff sofort nach dem Plastikbeutelchen und machte sich sogleich mit einem gierigen Gesichtsausdruck daran das Tütchen zu öffnen. Dabei achtete er nicht einmal mehr auf den Microspanverschluss, so dass der Beutel unterhalb des noch verklemmten Verschlusses aufriss.

Er steckte seine Nase hinein und inhalierte so überzeugend genussvoll den daraus entströmenden Duft, dass ich seine Bewegungen automatisch nachahmen musste. Als würde ich selbst an diesem Tisch sitzen und aus diesem speziellen Tütchen schnüffeln. Einen Moment lang vergaß ich sogar, weshalb ich überhaupt hier war.

"Hey B." sagte ich zu mir, "du bist kein Spanner sondern Agent". "Also los jetzt, schau nach was in den Koffern ist". Ich schlich zur Eingangstür und holte meinen "streng geheimen" 0815 Türschlossknacker, mit welchem man übrigens auch jedes Fahrradschloss problemlos knacken kann, heraus und öffnete die Tür in weniger als 2 Sekunden.

"Super, neuer Rekord" murmelte ich, als ich geschmeidig wie eine Katze durch den Türspalt glitt. Dabei achtete ich genau darauf die Tür nur so weit wie nötig zu öffnen. Drinnen angekommen konnte ich die unheimlichen Schnüffelgeräusche vernehmen, welche häufig mit einem langgezogenen "Aaaaah guuuuut" endeten.

"Was ist nur in diesen Koffern" fragte ich mich. Koks?, Crack? oder gar eine ganz neue Droge?? Schnell ging ich in den Raum mit den Koffern und machte mich sogleich daran den ersten zu öffnen... Fucking Shit, ein hochkompliziertes Zahlenschloss der 4er Reihe... "Hmm, was nun ?" dachte ich "es ist keine Zeit mehr, den Zahlenschlosscodeknackautomaten anzuschließen". "Wenn das ein 4-329er ist, dann dauert das mindestens 10,35 Minuten".

Ich musste mir also eine andere Strategie ausdenken.. Schnell multiplizierte ich den Geburtstag von Mrs. X mit ihrem Brustumfang (14 x 90) und teilte das ganze durch 3. "420, das muss es sein" murmelte ich und machte mich daran den Koffer zu öffnen. Hmm, dabei stellte ich erstaunt fest, dass dieser ja gar nicht verriegelt war. "Oh, auch nicht schlecht" dachte ich und öffnete den Deckel.

Ich konnte einfach nicht glauben was ich da sah.... "Unterhosen ??? Schlüpfer ??? Häää ???" Wie wild machte ich auch die anderen Koffer auf. Überall Unterhosen. Fein säuberlich in Microspan-Beutel verpackt und nach Farben sortiert lagen sie vor mir und schienen zu sagen "Hey Du Depp, willst Du auch mal schnuppern???".........

IV. Mrs. M

"Ich habe gar nicht gewusst, dass man so viel Zeit damit verbringen kann eine Dose Thunfisch aufzumachen". 

"Lieber Gott, gib mir einen Hammer und ich hau das dämliche Blechfutter in tausend Fetzen" sprach ich absolut Lippensynchron mit dem Mann aus der Happyfish Werbung, in welcher eine äußerst leicht zu öffnende Fischkonserve umworben wurde. Ich kannte den ganzen Mist schon auswendig. Ist ja auch kein Wunder, wenn man 3-Tage am Stück damit beschäftigt ist, durch ein Fernglas in leere Hotelzimmer zu starren und über das Abhörgerät lediglich das monotone Brummen der Klimaanlage zu vernehmen ist.

Eigentlich sollte gestern schon eine Geldübergabe stattfinden, mit welcher der Kauf einer größeren Menge Plutonium abgesichert werden sollte. Im gleichen Moment als ich noch den Tütensuppen Werbespot mitsummte, kam eine Nachricht vom Hauptquartier. Mitteilung an Agent B. - stopp. Die Zielpersonen wurden alle von Mrs. M sichergestellt - stopp. Kommen Sie umgehend in unser Hauptquartier - ende.

"Hää, wer ist Mrs. M und wieso hat die meine Zielpersonen geschnappt ??" "Was soll das, bin ich hier der Hampelmann, der drei Tage für nix diesen dämlichen Werbespots ausgesetzt auf eine Geldübergabe wartet. die höchstwahrscheinlich gar nicht stattfinden sollte ??" "Oooh, wartet nur ab Jungs, wenn ich ins Zentrum komme" fluchte ich weiter, "dann könnt ihr was erleben".

Einen kurzen Moment war ich mir nicht sicher, ob nicht vielleicht doch jemand was von der Unterhosensache mitbekommen hatte und sie mir deshalb einen Streich spielen wollten. Aber nein, das kann nicht sein - dafür bin ich viel zu gut...

Auf der Rückfahrt legte sich meine Aufregung so langsam. Und als hätte ich jahrelang nichts anderes gemacht, sang ich einen Spot nach dem anderen, von Katzenfutter bis zu den Gebisspflegetabs, alles - wie auswendig gelernt - mit.

In der Zentrale angekommen hatte ich dann auch das Vergnügen diese mysteriöse Mrs. M kennen zu lernen. Na ja, wie soll man sie beschreiben?? In Ihrem komischen Ganzkörperdress brachte sie irgendwie eine Mischung aus lächerlich und sexy rüber... hmmm, eher sexy - also wenn man es genau nimmt, doch sehr sexy. Je länger ich Mrs. M. betrachtete, desto mehr gefiel mir ihr eigentlich ganz modischer Look.

"Wollen Sie ihre Zunge lüften B., oder warum sabbeln Sie sich gerade Ihr schönes Hemd voll ??" riss es mich aus meinen Tagträumen mit Mrs. M...

Oh, sie hat mich angesprochen. "Sag jetzt bloss nix falsches" dachte ich mir. Aber irgendwie hatte sich meine Zunge gegen mich verschworen. "Hlllllll lllllll llllll lllllll" was eigentlich soviel heißen sollte wie "Hallo

Mrs. M., gut gemacht".

"Haben Sie getrunken?" fragte sie mich und runzelte dabei ungläubig die Stirn. "Nein!" erwiderte ich und zupfte meinen Anzug zurecht, "äh, ich hatte nur gerade so einen komischen Geschmack im Mund". 

"Sie haben nicht zufällig einen Kaugummi dabei - nein ?". 

Amüsiert legte Sie ihren Arm auf meine Schulter und meinte "B., den schlechten Geschmack bekommen wir doch sicher auch mit einem Glas Sherry weg - oder?"

 "Hier gibt es doch sicher irgendwo eine Bar......"

*****

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