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Der Schmetterling und der kleine Araberhengst
Von Kathrin Siemers
Es war einmal ein schöner, stolzer Araberhengst. Der galoppierte tagaus, tagein munter durch die endlosen Weiten der Steppe und erfreute sich seines Lebens und der Sonne, die auf seinen starken Rücken nieder schien, dass sein schwarzes Fell in seidigem Glanz erstrahlte.
Bis er eines Tages beim Grasen ein seltsames Piepsen hörte. Beunruhigt hielt er inne und horchte. Das Piepsen hörte nicht auf, es musste genau vor ihm aus dem Gras kommen, aber er musste mehrmals hinschauen, bis er genau vor sich den kleinen Schmetterling entdeckte, der da hockte und ängstlich piepste.
"Ich hab mir meinen Flügel gebrochen", jammerte der kleine Schmetterling. "Was soll ich nur machen?"
"Oh, das tut mir leid", sagte der Araber ganz bedrückt. "Wie kann ich Dir bloß helfen?"
Und er überlegte hin und her, zermarterte sich seinen grazilen dunklen Kopf, um eine Lösung zu finden, denn der arme kleine Schmetterling tat ihm wirklich sehr leid. Bis ihm endlich eine Idee kam.
"Ich weiß was", sagte erleichtert. "Der Arzt des Sultans ist der beste der Welt, er wird dich heilen. Schnell, nimm deine Hufe in die Hand, wenn du dich beeilst, kannst du in zwei Tagen bei ihm sein!"
"Hast du noch alle Löffel im Karton", schrie der Schmetterling fassungslos, "schau mich doch an, ich hab keine Hufe! Alles, was ich habe, sind Flügel, und die sind kaputt!"
Und er begann so jämmerlich zu schluchzen, dass dem wackeren kleinen Pferdchen die Mähne zu Berge stand. Wer hätte gedacht, dass so ein kleiner Schmetterling so laut und schrecklich schluchzen konnte?
Aber jetzt wurde es doch allmählich auch ein bisschen sauer, denn es hatte doch nur helfen wollen und musste nun mit anhören, wie dieser kleine Drecksack von Falter zwischen hemmungslosen Schluchzern wüste Beschimpfungen gegen ihn ausstieß, er wolle sich wohl auch noch lustig machen über sein schreckliches Unglück.
Das war nun doch zuviel. Beleidigt wandte das Pferd sich ab und begann wieder zu grasen, behielt aber doch noch ein Auge auf die Stelle gerichtet, wo der kleine Schmetterling im Gras hockte und sich einbildete, er könne nicht weg. Vielleicht kam er ja doch wieder zur Besinnung, man sollte ja die Hoffnung nie aufgeben. Was wollte er denn nur, schließlich hatte doch jeder Hufe!
Als die Dunkelheit über die Steppe hereinbrach, ging der kleine Araberhengst schlafen, wie jede Nacht, und er schlief tief und ruhig, bis die ersten Strahlen der Morgensonne auf seine Lider trafen und ihm einen neuen schönen Tag ankündigten.
Aber was er sah, als er die Augen öffnete, war so ungewöhnlich, dass er überlegte, ob er nicht doch noch träumte. Was da vor ihm stand, sah aus wie - ja, wie eine Schmetterlings-Araberstute!
"Entschuldigung", sagte die Stute und scharrte etwas verlegen mit dem linken Vorderhuf im Staub, "ich habe ja doch Hufe! Wie konnte ich das nur vergessen?"
Und sie war so verlegen, dass sie ihre Zähne zu einem, na ja, etwas blödsinnigen Grinsen entblößte, dass jedoch bald in ein gelöstes fröhliches Wiehern überging, das so ansteckend war, dass der kleine Araberhengst einfach mitlachen musste, und sie lachten so sehr, dass sie sich schließlich auf dem Boden wälzten und mit den Hufen in der Luft strampelten.
Wer hätte gedacht, dass Araberpferde so albern sein können?
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