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Aschenputtels Krone
Ein Märchen von Stefanie Budig
Ihr alle kennt wahrscheinlich das Märchen vom Aschenputtel, das ich euch nicht noch mal erzählen muss.
Nun denn, meine Geschichte beginnt zu jener Zeit, da Aschenputtel ihren Prinzen geheiratet hat und nun eine glückliche Königin hätte sein sollen. Aber wie es das Schicksal wollte war ihr das trotz der vergangenen Leidenszeit noch nicht gegönnt.
Als nämlich der Moment der feierlichen Krönung nahte, musste der königliche Oberhofmeister feststellen, dass aus der wohlbehüteten Krone ein Zacken abgebrochen war. Was sollte er jetzt bloß tun?
Voller Angst und Panik lief er zum jungen Prinzen und erzählte ihm das Vorgefallene. „Majestät, etwas Schreckliches ist passiert. Aus der Krone der jungen Königin ist ein Zacken abgebrochen. Was sollen wir jetzt nur tun?“
„Wir verschieben die Krönungsfeier. Stoppt die Zeremonie. Lasst die Koffer packen und die Kutsche anspannen. Sagt meiner Frau, sie soll sich fertig machen. Wir fahren zum Strand von Lloret de Mar.“
Die junge Königin ertrug tapfer auch dieses Schicksal und schon bald waren sie unterwegs. „Was wollen wir eigentlich in Lloret de Mar?“, fragte sie ihren Mann, da sie seine plötzliche Reiselust verwirrte.
„Dort gibt es das beste Gold der Welt. Das liegt dort überall herum und ist bestens geeignet, deine Krone zu reparieren.“
„Bist du dir da völlig sicher?“
„Na klar, sonst würde ich nicht mit dir dorthin fahren.“ Aschenputtel war zwar nicht sehr überzeugt davon, wollte aber auch nicht streiten und war es zufrieden.
Sie fuhren drei Tage und drei Nächte, denn die Fahrt mit der Kutsche war beschwerlich, dann waren sie am Ziel. Tatsächlich glitzerte und blitzte es um sie herum, als sie am Strand von Lloret de Mar ausstiegen und der Prinz wollte sich sogleich auf das viele Gold stürzen, aber es war nur die grelle Sonne, die den hellen Sand reflektierte und sie beide blendete nach der Dunkelheit in der Kutsche.
Aschenputtel hielt ihren Prinzen nur mit Mühe zurück. „Bleib hier! Wir müssen warten bis es dunkel wird und der Strand leer wird. Wir fallen doch sowieso schon genug auf. Merkst du nicht, wie uns die Leute anstarren?“
„Mmmh, ja, da hast du wohl recht. Also gut, warten wir bis zum Abend. Lass uns essen gehen, ich bin schon fast verhungert.“ So taten sie auch und kehrten nach Einbruch der Dunkelheit an den nun menschenleeren Strand zurück.
Sie wollten gerade zu graben beginnen als plötzlich ein heller Blitz vom Himmel zuckte und dann stand die gute Fee vor ihnen. Aschenputtel erkannte sie sofort, hatte sie ihr doch schon oft in ihrer Not geholfen.
„Hier also habt ihr euch versteckt. Ich habe euch schon überall gesucht. Was macht ihr bloß für Sachen. Ich dachte, ihr seid längst glücklich verheiratet, aber nein, ihr treibt euch lieber in der Gegend herum. Was hat euch hierher verschlagen? Was habt ihr diesmal für ein Problem?“
Der Prinz geriet schier aus der Fassung. „Wer ist denn das?“, brachte er schließlich mühsam hervor.
Aschenputtel zögerte. „Eigentlich wollte ich es dir nicht erzählen, denn ich weiß ja, dass du nicht an Märchen glaubst“, sagte sie dann, „aber dies ist die gute Fee, die uns zwei zusammengebracht hat. Sie war es, die mir all die schönen Kleider gegeben hat, damit ich auf den Ball gehen konnte, sonst hätten wir uns wohl nie kennen gelernt.“
„Nun weißt du Bescheid, mein Junge. Also, was liegt an?“, fragte die gute Fee ungeduldig. „Na los, ich habe noch viel anderes zu tun und meine Zeit ist knapp.“
„Na ja, sagte der Prinz zögernd, „wir haben die Krönungsfeier vorbereitet und mussten alles wieder verschieben, weil wir feststellen mussten, dass aus Aschenputtels Krone ein Zacken abgebrochen ist und das geht ja nicht. Also sind wir hierher gefahren, um Gold für die Reparatur zu suchen.“
Die Fee lachte aus vollem Herzen, dass ihr die Tränen kamen, doch im nächsten Moment schimpfte sie auch schon los. „Warum macht ihr nur solchen Blödsinn statt direkt zu mir zu kommen. Zeigt mir doch mal die Krone.“
Der Prinz reichte sie ihr. Die Fee zog ihre Brille hervor und betrachtete sie sich eingehend., „Kinder, Kinder, wie habt ihr das nur angestellt. Das ist fast nicht möglich, so eine Krone kaputt zu kriegen.“
„Wir wissen es nicht“, sagte Aschenputtel, „sie war immer gut bewacht.“
„Na, egal. Ich mach das schon. Ihr müsst euch allerdings eine Weile gedulden, es wird nicht ganz einfach sein. Hab so etwas nämlich noch nie gemacht.“
„Was meinst du in etwa, wie lange du brauchst?“, fragte Aschenputtel hoffnungsfroh. Die Fee überlegte. „So etwa drei Tage“, meinte sie dann, „so lange müsst ihr euch gedulden. Macht euch nichts draus. Genießt einfach die drei Tage hier am Strand. Wer weiß, wann ihr wieder Gelegenheit dazu haben werdet. In drei Tagen treffen wir uns wieder hier an derselben Stelle zur selben Zeit.“
Wieder zuckte ein Blitz am Himmel und die gute Fee war verschwunden. Der Prinz rieb sich die Augen. Er wusste nicht, ob er wachte oder träumte. „Das ist doch alles nur ein Traum, oder?“
„Aber nein, natürlich nicht. Komm, Lass uns essen gehen, ich habe Hunger und du sicher auch.“ Tatsächlich ging der Prinz auf diesen Vorschlag ein, denn bei Essen konnte er nie nein sagen. Aschenputtel war froh, ihn erfolgreich abgelenkt zu haben.
Ehe sie es sich versahen vergingen die drei Tage wie im Flug. Der Prinz dachte schon gar nicht mehr an die Krone und die gute Fee, bis sie dann zum vereinbarten Zeitpunkt wieder vor ihnen stand.
Voller Stolz und Freude präsentierte sie die Krone, die glitzerte und funkelte wie nie zuvor. Keine Spur von Reparatur war zu sehen. Aschenputtel war überglücklich und auch der Prinz war zutiefst beeindruckt.
„Toll, wie du das hingekriegt hast“, sagte Aschenputtel, „jetzt kann unserem Glück nichts mehr im Wege stehen.“
„War auch harte Arbeit und ich hoffe, ihr wisst das zu schätzen. Macht’s gut, ihr zwei und viel Glück. Ich muss los, habe noch viel zu tun und ich bin ja nicht mehr die Jüngste. Lebt wohl.“
„Leb wohl und hab tausend Dank“, rief Aschenputtel ihr hinterher, aber das hörte die gute Fee schon gar nicht mehr, sie war schon längst über alle Berge.
Aschenputtel und der Prinz standen noch lange schweigend beieinander. Sie konnten das Geschehene noch gar nicht recht begreifen. Aschenputtel war es, die schließlich das Schweigen brach.
„Es ist wirklich wie im Märchen, nicht wahr? Lass uns heimfahren und unser Glück genießen. Wir werden bestimmt schon erwartet.“ So taten sie auch und dachten noch lange, lange Zeit an dieses Abenteuer zurück und erzählten es später ihren Kindern und Enkelkindern. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
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