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Die traurige Geschichte vom reichen Bauern  

Ein Märchen von Martin Fossalta 

Es war einmal ein reicher Bauer, der liebte seine Kinder sehr. Er hatte viele Söhne und  Töchter, und er liebte sie, weil sie ihm immer gehorsam waren. Sie folgten ihm aufs Wort. Da  zeigte sich, dass der reiche Bauer wohl daran getan hatte, seine Kinder immer streng zu  erziehen, ihnen aber auch Belohnungen zukommen zu lassen. 

Den braven und gehorsamen Kindern schenkte der Bauer oft Süßigkeiten und Spielzeug. Als  sie größer geworden waren, bekamen sie ein Gärtchen hinter dem Gehöft des reichen Bauern. Dort durften sie pflanzen, was sie wollten, wenn es den Regeln und Geboten des Vaters nicht widersprach. Auch die Ernte gehörte ihnen fast ganz allein, bis auf den Teil, den sie dem Vater übergeben mussten.

Dass sich die Kinder aus ihren Gärten um Teil selbst versorgen konnten, gefiel dem reichen Bauern sehr. Umso ungeteilter konnte er über alles verfügen, was er auf seinem riesengroßen Hof erwirtschaftet hatte. So wurde die Familie immer reicher und reicher, obwohl ja viele Söhne und Töchter zu ernähren waren. 

Die ungehorsamen Kinder erzog der reiche Bauer nach dem Grundsatz: Wer nicht hören will, der muss fühlen". Sie bekamen keine Geschenke, statt dessen bekamen sie  Ohrfeigen oder den Stock zu  spüren, wenn sie die Gebote des Vaters übertreten hatten. Wer sich dagegen auflehnte, wurde des Hofes verwiesen und durfte nie mehr nach Hause kommen.   

So gingen die Jahre dahin. Der reiche Bauer wurde immer reicher. Die Söhne und Töchter auch. Aus den Erträgen der den zunächst kleinen, dann aber viel größeren Gärten legten sie soviel zurück, dass sie sich eigene Bauernhöfe leisten konnten.  Die Kinder hatten nie etwas anderes gelernt, als ihrem Vater aufs Wort zu gehorchen. So war  es für sie selbstverständlich, dass sie auch ihre eigenen Höfe streng nach den Vorschriften des reichen Bauern bewirtschafteten. Auch sie wurden immer reicher, ihre Höfe immer größer.  

Das gefiel dem reichen Bauern, deshalb gab er den bravsten Söhnen und Töchtern Geld,  damit sie noch mehr Land kaufen und noch reicher werden konnten. Es blieb ja alles in der  Familie. Das hätte noch viele Jahre so weitergehen können. 

Aber in der Landwirtschaft gibt es nicht  nur gute Jahre und fette Ernten. Nein, auf den weiten Ländereien des reichen Bauern und  seiner Familie kam es an einem Abend im September zu einem fürchterlichen Unwetter. 

Hunderte von Blitzen schlugen ein, die Scheunen und Ställe brannten nieder, faustgroße Hagelbrocken erschlugen das Vieh auf der Weide. Im Lauf des Abends nahm das Unwetter  sogar zu, der Besitz der Familie war zerstört. 

Der nun gar nicht mehr so reiche Bauer musste sein Erspartes angreifen, das er vor den  Kindern in einem fernen Land versteckt hatte. Weil sie wie er selbst für die Vergrößerung ihrer Höfe immer mehr Geld nötig hatten, hatte er so die Ausgaben der Familie wenigstens etwas  einschränken können. 

Nun geschah etwas, was niemand für möglich gehalten hätte: Als der Bauer und seine Familie auch nach dem Unwetter wieder zu wirtschaften anfingen, wie zuvor, kam ein böses Gerücht auf. Die Leute hatten ihre Angst verloren, weil der Bauer ja nicht mehr so reich und mächtig wie früher war. 

Nun munkelten sie erst leise, dann lauter, mit der Reichtumsvermehrung der Familie sei es nie und nimmer  mit rechten Dingen zugegangen. Die vielen Äcker, Rinder, Pferde und Traktoren, die sie  gekauft hatten, hätten viel mehr gekostet, als ihre Höfe jemals hätten erwirtschaften können. 

Der nicht mehr so reiche Bauer bestritt das so oft und so laut er nur konnte. „Jeder weiß doch, dass ich immer fleißig und redlich war, ich habe nie etwas für mich behalten, sondern immer die Familie an allem teilnehmen lassen, was ich hatte", sagte er in dem großen Wirtshaus, wo alle Bauern zusammen saßen und mit ihm stritten. 

Doch die Gerüchte verstummten nicht. Und eines Tages gab ein ehemaliger Großknecht des reichen Bauern zu, dass doch Geld aus geheimen Sparstrümpfen im Spiel gewesen ist. Immer mehr davon kam ans Licht.  

Nun musste der reiche Bauer erleben, dass seine Söhne und Töchter allen Gehorsam und alle Dankbarkeit für ihren Vater fahren ließen. Sie sprachen sogar öffentlich das Undenkbare aus, ob es nicht besser wäre, wenn der Vater seinen Hof für immer verließe. 

Da weinte der reiche Bauer bitterlich. Er liebte doch den Hof. Seine Kinder liebte er allerdings nicht mehr so wie früher. Deshalb weigerte er sich auch, alles zu gestehen und auf die eigene Kappe zu nehmen. 

Die Söhne und Töchter waren dadurch so in die Enge getrieben, dass sie ihrem alten Vater und einigen  Söhnen, die schon immer Eigenbrötler gewesen waren, die alleinige Schuld zusprachen. Sie taten das, indem sie jedem im Wirtshaus, der sie anhören wollte, mit lauter Stimme und offenen Blickes versprachen, sie würden nun ohne Rücksicht auf Personen alles, aber auch  alles aufklären. Das seien sie der Ehre der Familie schuldig.

Die Personen, auf die sie keine Rücksicht mehr nahmen, waren ein spitzbübischer  Pferdehändler und ein vornehmer Freund der Familie. Sie hatten die dunklen Geldgeschäfte ausgeführt. Angeleitet vom reichen Bauern und seinem ältesten Sohn .Der hatte in den Jahren  davor zur Tarnung täglich seine Strenge gegen jeden Hühnerdieb hervorgekehrt. 

Gegen diese Sündenböcke wetterten die reichsten Söhne des Bauern im Wirtshaus täglich  immer lauter. Ihre Zuhörer sollten vergessen, wie diese immer gehorsamen Kinder des  reichen Bauern selbst von dem Geld aus dunklen Quellen gut gelebt hatten. Doch die Zuhörer durchschauten diesen Trick. 

Auch kamen immer neue Gerüchte und  Beweise auf, dass die reichen Söhne so damit beschäftigt waren, die Sündenböcke  anzuschwärzen, dass sie für die Aufklärung ihrer eigenen Taten einfach keine Zeit finden wollten. 

Sie hatten ja auch früher nie danach gefragt, woher das viele Geld kam, dass immer dann in ihre Taschen geflossen war, wenn sie es dringend gebraucht hatten. 

Schließlich gab es in dem großen Wirtshaus fast niemanden mehr, der dem reichen Bauern  und seiner Familie noch irgend etwas glauben konnte. Eines Tages verschwand die ganze Familie aus dem Wirtshaus, wo sie auch niemand vermisste. 

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!

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