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Unser Bus

Von L. Köpnick

Unser Bus, der uns dort mit dem Vorzelt, jedes Jahr für längere Zeit als Urlaubsquartier dient, der uns bei früher Abfahrt bis zum Nachmittag desselben Tages auch nach Boulogne am Pas de Calais hinschnurrt und die Fahrräder hintendrauf auch noch mitnimmt.

Unser Bus, der uns sicheres Quartier und Reisemobil ist und uns jederzeit ohne Voranmeldung zur Verfügung steht.

Und es kommt sogar vor, das es mich plötzlich übermannt und ich den Wunsch verspüre, los,  ich fahre an die sturmumtoste Küste des Ärmelkanals, jetzt will ich hin, wenn die Herbststürme über das Land und durch die Dünen pusten, wenn der Sturm den Regen gegen die Küste peitscht, wenn die Wogen des Atlantik gegen die Hafenmolen schlagen und wahre Geysire hoch jagen.

Und ich fahre hin, und einmal kommt auch Günter mit und wir sehen uns das gemeinsam an, und wir fühlen die Gewalten, und sehen die Küste mit den unendlich weiten Stränden bei Hardelot oder Berck, mit den mächtigen Basaltablagerungen bei Abbewille, oder das Cape Blanche Nez und das Cape Greze Nez mit ihren jäh abstürzenden Steilküsten.

Wir durchstreifen das einzigartige Seevogelparadies, das wilde Dünengebiet in Grand Fort Philippe bei Gravelines und die Strände mit den haushohen Dünen bei Wissant. Fast ganz allein stehen wir am Rand der Steilküste auf dem Cape, der Wind bläst uns ins Gesicht,  nimmt uns fast den Atem und wir schauen hin, rüber nach England, sehen die weißen Kreidefelsen von Dover, fast zum Greifen nah. Und wir stromern durch die Hafenanlagen von Calais und Boulogne.

Am Abend dann kämpft sich der VW Bus die Dünen hoch bis auf die letzte hohe Düne, bis hart an die Kante, und der Sturm heult und singt sein Lied und stößt gegen den Bus und packt ihn und schüttelt ihn und peitscht den Regen auf das Blech und die Brandung rauscht und die Wellen schlagen fast unter uns auf den Strand. Und wenn die Wolken aufreißen und die Sterne über uns leuchten und flackern dazwischen hindurch, und der Mond gießt sein bleiches Licht in diese wilde Dünenlandschaft, und die Leuchtfeuer dieser wilden Küste blinken auf, bestreichen das Meer und die bizarren Dünen in der Nascht, dann schaut auch Günter ergriffen durch die Frontscheibe auf die tobende See, in die dunklen Dünentäler, auf die heranbrausenden grandiosen Wolkenfetzen mit dem vom Sturm zerrissenen Rändern über uns, bis der Schlaf auch ihn umfängt. Das Heulen des Sturmes begleitet uns auch im Schlaf, fast bis in den Morgen, der von dem hungrigen Geschrei der dahin jagenden Möwen freudig begrüßt wird.

Aber ich sehe noch viel mehr als Günter, weil mir so vieles einfällt. Ich sehe die riesigen Schiffsansammlungen im Kanal, ich sehe die Ströme an Nachschub für die Alliierten, die Panzer, LKW, Sattelschlepper und Planierraupen, die Jeeps und Nahrungsmittel, einen Strom von Treibstoff in Kanistern und Tanks, ja sogar in Pipelines, ich sehe die Soldaten aus aller Welt, die Gurkaas und die Schwarzen, die Indianer und die Gelben wie das alles über den Atlantik flutet, aus Kanada, Amerika, Indien, Marokko, Afrika ja selbst aus Australien und hier anlandet und herein brandet, um uns in die Knie zu zwingen.

Gott sei Dank!

Und ich denke an die Zeit vor mehr als 55 Jahren wie ich als kleines Partikelchen hier hin und hier zwischen geriet. Als noch nicht einmal 17jähriger. Und ich sehe auch die vielen so unscheinbaren aber doch so beieindruckenden kleinen  Holzkreuze aus Ästen örtlicher Baumarten, mit dem schief hängenden Stahlhelm oben drauf, als die Reste darunter noch nicht auf die großen Felder umgebettet waren, als sie einfach noch da verscharrt lagen, wo sie gefallen sind.

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