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Email-Adresse Zuletzt aktualisiert am 14.03.2009 Hier könnt Ihr die Kategorien der Erzähl-Club-Texte anklicken: |
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Von Liebe, Angst und Depressionen
Ein Chat-Protokoll
(Dies ist ein authentisches Chatprotokoll, unredigiert, daher auch mit den Tippfehlern, die dabei entstehen können. Die Namen der Beteiligten wurden verändert. "Walther" und "Anne" sind mit der Veröffentlichung einverstanden)
Login OK. Gib .help oder /help ein für weitere Informationen.
[Walther betritt Raum""]
[1Ops im Raum""]
(Anne im Raum ""]
Anne: Wie gehts dir eigentlich?
Walther : Du, dandu, danke, mir gehts gut.
Habe viel zu arbeiten. Aber es macht spass,
übibrigeens auch deine Mailss. Du scheinst
damiit ernstt zu machen, dich
anzunehmen. Enttschduliddige die
Verrtipper
Walther : Jetzt passe ich aber besser auf :-)
Anne: Das sieht ja lustig aus! Ja, ich mach
bestimmt ernst.
Walther : Und wie verbringst du deine Tage.
Wie geht es mit Claus??
Anne: Claus ist vorbei. Das hat irgendwann
aufgehört, und jetzt weiß ich auch nicht
mehr, was mich bei ihm so angezogen hat.
Wahrscheinlich die Sehnsucht, daß sich mal
jemand um mich kümmert.
Walther : Wie bist du zu diesem Ergebnis
gekommen?
Anne: Ich hab mich auf einmal einfach
fremd gefühlt ihm gegenüber. Nach
Weihnachten war das. Ich bin wohl auch
einfach wieder zum Einzelkämpfer
geworden, siehs wie du willst. Aber erstmal
ist es so.
Walther : Einzelkämpfer - ist das nicht schwer.
Weil einsam?
Anne: Ich finds einfacher als Nähe suchen.
Ich glaube, das hat mich ziemlich
überfordert.
Walther : Nähe kann aber doch beglücken,
wenn man nicht einsam ist. Und da gibt es
ja auch noch den Sex
Anne: Ja, natürlich. Ich schließe das alles
doch nicht aus. Aber nicht jetzt. und nicht
mit Claus
Walther : Den ich dir natürlich auch nicht
einreden will. Aber du hast mir mal gesagt,
dass du eine schöne Frau bist, also
müssten sich doch auch andere um dich
bemühen
Anne: Hey, das hab ich bestimmt nicht so
gesagt! Ich kann nur sagen, ich kenne
keinen, den ich haben wollte. Außerdem bin
ich viel zu müde
Walther : Das hast du gesagt. Aber weil du
immer dazu neigst, nicht zu gut über dich zu
denken hast du gesagt: Man hält mich für
schön. Aber es hätte dich geärgert, wenn
du als Kind hören musstest: Wie schön sie
ist
Anne: Das ist aber lange her!! Und ich in
letzter Zeit oft genug ziemlich abgezehrt und
blaß ausgesehen, wenn ich in den Spiegel
geschaut habe, um mich jetzt noch schön
zu finden
Walther : Isst du nicht richtig?
Anne: doch.
Walther : Oder bekommst du nicht genug
Schlaf und frische Luft?
Anne: nein, das bekomme ich alles genug,
aber mir gehts eben trotzdem mies.
Vielleicht ist es alles nur angst, ich weiss
nicht.
Walther : Angst? Nach deinen letzten Mails
dachte ich, du könntest mehr in Frieden mit
dir leben
Anne: Ja, bestimmt. Aber Angst hab ich
trotzdem. Als ich letzen Montag nach
langem wieder mal gejoggt bin, hatte ich auf
einmal wieder leichtes Fieber, dabei bin ich
nur zehn min. gelaufen. Das hat mich
zeimlich erschreckt, und wenn man dann
einmal unten ist, dauert es ewig, bis ich
wieder fitter bin. Frag mich nicht, ob ich
Angst habe, weil ich müde bin und nächste
woche das Semester anfängt, oder ob die
Angst mich so krank macht.
Walther : Ich denke, alles hängt zusammen.
Irgendetwas in dir hindert dich, wirklich zu
leben und frei zu sein
Anne: Ich war Montag wirklich wieder
ziemlich down. Aber ich ich habe
beschlossen, wieder mit Yoga anzufangen,
ganz langsam, so dass es nicht
überanstrengt. Und ich glaube, das geht
ganz gut. Weil ich auch lust habe, mich
wieder zu bewegen und aktiv zu sein, aber
ab einem gewissen mass kriege ich gleich
eins auf den Deckel.
Walther : Und wenn du dann trotzdem einfach
weiter machst?
Anne: Wird es schlimmer. Dann könnte ich
nur noch schlafen, und dann sind auch
wieder depressionern angesagt
Walther : Das ist wirklich schade. Deine innere
Lebensbremse ist überstark
Anne: Stärker als ich? das ist noch nicht
bewiesen. Aber mit Willen geht eben nicht
alles
Walther : sondern womit?
Anne: ja, womit?
Anne: Ich wollte nur sagen, ich kann nicht
einfach so tun, als wäre das nicht da.
Walther : Wenn ich es wüsste, wäre ich
glücklich, es dir zu verraten, dich vor
Freude zu umarmen und zu küssen
Anne: Du, ich will einfach nicht aufgeben,
das wollte ich Dir mit meinen letzten Mails
auch sagen. Leben will ich auf jeden Fall.
und jetzt, wo erstmal die depressionen weg
sind, habe ich auch wieder hoffnung.
Walther : Diese Hoffnung ist ungeheuer wichtig,
ich wünsche dir, dass sie in Erfüllung geht
Anne: Solange ich mich nicht überfordere,
geht es mir ja auch ganz gut. Aber das ist
halt so schnell passiert, und manchmal bin
ich eben auch einfach übermütig. Und dann
muß ich wieder von vorn anfangen.
Walther : Ein Leben auf kleiner Flamme?
Anne: Scheiße, ja. Aber das muss man
doch ausdehnen können, langsam und
vorsichtig
Walther : Das ist ein gutes Ziel
Walther : Hast du heute deinen grünen
Pullover an?
Anne: Aber ich habe eben auch ziemliche
Angst, dass es nicht geht. Ich hab mich
letzte Woche ziemlich danach gesehnt,
dass du mir schreibst. Nein, kein grüner
Pullover, tut mir leid. Der ist für nächste
woche, wenn ich nach Hause fahre.
Samstag wird meine mutter 70.
Walther : Liebe Anne, ich will dir nicht mehr
so oft schreiben, damit du dich nicht zu sehr
auf mich verlässt. Außerdem finde ich
chatten besser
Anne: Ja, ich weiß ja auch, dass ich es im
endeffekt selber schaffen muß. Aber oft
wächst mir eben immer noch alles über den
kopf, und ich sehne mich nach trost
Walther : Trost? Kann dir Trost helfen? Wäre
nicht ein Mensch im realen Leben, der für
dich da ist, wichtiger?
Anne: Wer denn? Ich habe halt keinen
Walther : Redest du mit deinen
Wohnungsgenossen?
Anne: nicht über solche sachen. Ich kann
schlecht jammern
Walther : Aber mit mir kannst du doch offen
reden, zB. jetzt
Anne: Ja, das ist eben was anderes. zu dir
habe ich vertrauen
Walther : Das ist lieb von dir. Aber so, wie du
mir anfangs einen Vertrauensvorschuss
geschenkt hast, so müsstest du es vielleicht
auch mit den Menschen um dich herum
machen
Anne: Das kann man doch nicht
erzwingen, das fällt mir einfach unheimlich
schwer!
Walther : Nicht erzwingen, Vertrauen
verschenken.
Anne: Nenn es wie du willst, aber ich wüßte
nicht wem. und wenn, könnte ich es nicht
Walther : Und wenn du nur offen bist für
Signale, die andere an dich, eine schöne
frau senden?
Walther : Da kann man ja auch klein anfangen
mit dem Verschenken von Vertrauen
Anne: Ich weiß gar nicht mehr, was ich
sagen soll, es fällt mir eben schwer. Nicht,
daß ich explizit nicht wollte. Und je hilfloser
man sich fühlt, umso schwerer ist es.
Walther : Dass es dir schwer fällt, ist mir klar
Walther : Aber was ist schon leicht im Leben.
übrigens für alle Menschen, auch für mich
Anne: im moment habe ich einfach andere
Sorgen: irgendwie zurande kommen, wieder
studieren.
Anne: vielleicht schaffe ich das
wenigstens.
Walther : Auch zum Studieren ist Hingabe
nötig, von sich selbst absehen, wie bei den
Beziehungen zu anderen Menschen
Walther : Liebe Anne, hilft dir unser Chat,
oder findest du mich zu hart?
Anne: ja, das reizt mich ja auch wieder.
Nein, du bist bestimmt nicht härter als ich.
Ich bin wirklich wieder sehr zum
einzelkämpfer geworden, einfach weil ich
denke, dass ich mich durchbeißen muss, bis
zu dem Punkt, wo alles wieder einfacher ist,
auch das vertrauen. ich komme mir selber
hart vor
Walther : Aber auch hart gegen dich selbst?
Anne: in gewisser weise schon. obwohl ich
auch sehr viel mehr rücksicht auf mich
nehme als früher.
Walther : Anne, ich muss jetzt langsam ans
Ende denken, muss noch arbeiten
Anne: Heute noch? ja, ich will dich
bestimmt nicht aufhalten
Anne: Danke für den Chat!!
Walther : Noch einen schönen Sonntag. Ich
umarme dich. Bald mal wieder Chat!!
Walther sagt aufwiedersehen...
Anne: Ich umarme dich auch! Mach es gut
Anne sagt aufwiedersehen...
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