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Von Liebe, Angst und Depressionen

Ein Chat-Protokoll

(Dies ist ein authentisches Chatprotokoll, unredigiert, daher auch mit den Tippfehlern, die dabei entstehen können. Die Namen der Beteiligten wurden verändert. "Walther" und "Anne" sind mit der Veröffentlichung einverstanden)

Login OK. Gib .help oder /help ein für weitere Informationen.

[Walther betritt Raum""]

[1Ops im Raum""]

(Anne im Raum ""]

Anne: Wie gehts dir eigentlich?

Walther : Du, dandu, danke, mir gehts gut.

Habe viel zu arbeiten. Aber es macht spass,

übibrigeens auch deine Mailss. Du scheinst

damiit ernstt zu machen, dich

anzunehmen. Enttschduliddige die

Verrtipper

Walther : Jetzt passe ich aber besser auf :-)

Anne: Das sieht ja lustig aus! Ja, ich mach

bestimmt ernst.

Walther : Und wie verbringst du deine Tage.

Wie geht es mit Claus??

Anne: Claus ist vorbei. Das hat irgendwann

aufgehört, und jetzt weiß ich auch nicht

mehr, was mich bei ihm so angezogen hat.

Wahrscheinlich die Sehnsucht, daß sich mal

jemand um mich kümmert.

Walther : Wie bist du zu diesem Ergebnis

gekommen?

Anne: Ich hab mich auf einmal einfach

fremd gefühlt ihm gegenüber. Nach

Weihnachten war das. Ich bin wohl auch

einfach wieder zum Einzelkämpfer

geworden, siehs wie du willst. Aber erstmal

ist es so.

Walther : Einzelkämpfer - ist das nicht schwer.

Weil einsam?

Anne: Ich finds einfacher als Nähe suchen.

Ich glaube, das hat mich ziemlich

überfordert.

Walther : Nähe kann aber doch beglücken,

wenn man nicht einsam ist. Und da gibt es

ja auch noch den Sex

Anne: Ja, natürlich. Ich schließe das alles

doch nicht aus. Aber nicht jetzt. und nicht

mit Claus

Walther : Den ich dir natürlich auch nicht

einreden will. Aber du hast mir mal gesagt,

dass du eine schöne Frau bist, also

müssten sich doch auch andere um dich

bemühen

Anne: Hey, das hab ich bestimmt nicht so

gesagt! Ich kann nur sagen, ich kenne

keinen, den ich haben wollte. Außerdem bin

ich viel zu müde

Walther : Das hast du gesagt. Aber weil du

immer dazu neigst, nicht zu gut über dich zu

denken hast du gesagt: Man hält mich für

schön. Aber es hätte dich geärgert, wenn

du als Kind hören musstest: Wie schön sie

ist

Anne: Das ist aber lange her!! Und ich in

letzter Zeit oft genug ziemlich abgezehrt und

blaß ausgesehen, wenn ich in den Spiegel

geschaut habe, um mich jetzt noch schön

zu finden

Walther : Isst du nicht richtig?

Anne: doch.

Walther : Oder bekommst du nicht genug

Schlaf und frische Luft?

Anne: nein, das bekomme ich alles genug,

aber mir gehts eben trotzdem mies.

Vielleicht ist es alles nur angst, ich weiss

nicht.

Walther : Angst? Nach deinen letzten Mails

dachte ich, du könntest mehr in Frieden mit

dir leben

Anne: Ja, bestimmt. Aber Angst hab ich

trotzdem. Als ich letzen Montag nach

langem wieder mal gejoggt bin, hatte ich auf

einmal wieder leichtes Fieber, dabei bin ich

nur zehn min. gelaufen. Das hat mich

zeimlich erschreckt, und wenn man dann

einmal unten ist, dauert es ewig, bis ich

wieder fitter bin. Frag mich nicht, ob ich

Angst habe, weil ich müde bin und nächste

woche das Semester anfängt, oder ob die

Angst mich so krank macht.

Walther : Ich denke, alles hängt zusammen.

Irgendetwas in dir hindert dich, wirklich zu

leben und frei zu sein

Anne: Ich war Montag wirklich wieder

ziemlich down. Aber ich ich habe

beschlossen, wieder mit Yoga anzufangen,

ganz langsam, so dass es nicht

überanstrengt. Und ich glaube, das geht

ganz gut. Weil ich auch lust habe, mich

wieder zu bewegen und aktiv zu sein, aber

ab einem gewissen mass kriege ich gleich

eins auf den Deckel.

Walther : Und wenn du dann trotzdem einfach

weiter machst?

Anne: Wird es schlimmer. Dann könnte ich

nur noch schlafen, und dann sind auch

wieder depressionern angesagt

Walther : Das ist wirklich schade. Deine innere

Lebensbremse ist überstark

Anne: Stärker als ich? das ist noch nicht

bewiesen. Aber mit Willen geht eben nicht

alles

Walther : sondern womit?

Anne: ja, womit?

Anne: Ich wollte nur sagen, ich kann nicht

einfach so tun, als wäre das nicht da.

Walther : Wenn ich es wüsste, wäre ich

glücklich, es dir zu verraten, dich vor

Freude zu umarmen und zu küssen

Anne: Du, ich will einfach nicht aufgeben,

das wollte ich Dir mit meinen letzten Mails

auch sagen. Leben will ich auf jeden Fall.

und jetzt, wo erstmal die depressionen weg

sind, habe ich auch wieder hoffnung.

Walther : Diese Hoffnung ist ungeheuer wichtig,

ich wünsche dir, dass sie in Erfüllung geht

Anne: Solange ich mich nicht überfordere,

geht es mir ja auch ganz gut. Aber das ist

halt so schnell passiert, und manchmal bin

ich eben auch einfach übermütig. Und dann

muß ich wieder von vorn anfangen.

Walther : Ein Leben auf kleiner Flamme?

Anne: Scheiße, ja. Aber das muss man

doch ausdehnen können, langsam und

vorsichtig

Walther : Das ist ein gutes Ziel

Walther : Hast du heute deinen grünen

Pullover an?

Anne: Aber ich habe eben auch ziemliche

Angst, dass es nicht geht. Ich hab mich

letzte Woche ziemlich danach gesehnt,

dass du mir schreibst. Nein, kein grüner

Pullover, tut mir leid. Der ist für nächste

woche, wenn ich nach Hause fahre.

Samstag wird meine mutter 70.

Walther : Liebe Anne, ich will dir nicht mehr

so oft schreiben, damit du dich nicht zu sehr

auf mich verlässt. Außerdem finde ich

chatten besser

Anne: Ja, ich weiß ja auch, dass ich es im

endeffekt selber schaffen muß. Aber oft

wächst mir eben immer noch alles über den

kopf, und ich sehne mich nach trost

Walther : Trost? Kann dir Trost helfen? Wäre

nicht ein Mensch im realen Leben, der für

dich da ist, wichtiger?

Anne: Wer denn? Ich habe halt keinen

Walther : Redest du mit deinen

Wohnungsgenossen?

Anne: nicht über solche sachen. Ich kann

schlecht jammern

Walther : Aber mit mir kannst du doch offen

reden, zB. jetzt

Anne: Ja, das ist eben was anderes. zu dir

habe ich vertrauen

Walther : Das ist lieb von dir. Aber so, wie du

mir anfangs einen Vertrauensvorschuss

geschenkt hast, so müsstest du es vielleicht

auch mit den Menschen um dich herum

machen

Anne: Das kann man doch nicht

erzwingen, das fällt mir einfach unheimlich

schwer!

Walther : Nicht erzwingen, Vertrauen

verschenken.

Anne: Nenn es wie du willst, aber ich wüßte

nicht wem. und wenn, könnte ich es nicht

Walther : Und wenn du nur offen bist für

Signale, die andere an dich, eine schöne

frau senden?

Walther : Da kann man ja auch klein anfangen

mit dem Verschenken von Vertrauen

Anne: Ich weiß gar nicht mehr, was ich

sagen soll, es fällt mir eben schwer. Nicht,

daß ich explizit nicht wollte. Und je hilfloser

man sich fühlt, umso schwerer ist es.

Walther : Dass es dir schwer fällt, ist mir klar

Walther : Aber was ist schon leicht im Leben.

übrigens für alle Menschen, auch für mich

Anne: im moment habe ich einfach andere

Sorgen: irgendwie zurande kommen, wieder

studieren.

Anne: vielleicht schaffe ich das

wenigstens.

Walther : Auch zum Studieren ist Hingabe

nötig, von sich selbst absehen, wie bei den

Beziehungen zu anderen Menschen

Walther : Liebe Anne, hilft dir unser Chat,

oder findest du mich zu hart?

Anne: ja, das reizt mich ja auch wieder.

Nein, du bist bestimmt nicht härter als ich.

Ich bin wirklich wieder sehr zum

einzelkämpfer geworden, einfach weil ich

denke, dass ich mich durchbeißen muss, bis

zu dem Punkt, wo alles wieder einfacher ist,

auch das vertrauen. ich komme mir selber

hart vor

Walther : Aber auch hart gegen dich selbst?

Anne: in gewisser weise schon. obwohl ich

auch sehr viel mehr rücksicht auf mich

nehme als früher.

Walther : Anne, ich muss jetzt langsam ans

Ende denken, muss noch arbeiten

Anne: Heute noch? ja, ich will dich

bestimmt nicht aufhalten

Anne: Danke für den Chat!!

Walther : Noch einen schönen Sonntag. Ich

umarme dich. Bald mal wieder Chat!!

Walther  sagt aufwiedersehen...

Anne: Ich umarme dich auch! Mach es gut

Anne sagt aufwiedersehen...

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