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Peter, die Elfenkönigin und die Prinzessin Von Diane Legenstein Vor vielen, vielen Jahren lebte in einem kleinen Dörfchen, namens Hintertupfing, ein strammes Bürschchen, mit Namen Peter. Seine Mutter war sehr arm. Sie hatte kaum das Geld, die monatliche Miete zu bezahlen. Als Peter noch sehr klein war, kam sein Vater bei einem Arbeitsunfall ums Leben. Seitdem lebten die beiden in schlimmster Armut, aber trotzdem zufrieden, in ihrer Wohnung, die schon sehr heruntergekommen aussah. So vergingen einige Jahre. Als aber Peter dann größer wurde und seiner Mutter nicht mehr auf der Tasche liegen wollte, beschloss er, in die große, weite Welt hinauszuziehen. Seine Mutter wurde sehr traurig, als er ihr seinen Wunsch mitteilte. Da sie aber christlich erzogen wurde und auch gelernt hatte, die Kinder als Geschenk und nicht als Eigentum anzusehen, ließ sie ihren Sohn schweren Herzens gehen. Sie packte ihm noch das Nötigste für ein paar Wochen zusammen und gab ihm ihren letzten Groschen mit, der für noch schlimmere Zeiten, als sie sie schon erleben mussten, gedacht war und malte ihm noch ein Kreuzzeichen auf seine Stirn. Tapfer schritt Peter hinaus in das Ungewisse. Noch viele Nächte lag seine Mutter betend wach. Sie hatte doch Angst um ihren Sohn. Sein Weg führte Peter durch saftige, grüne und blühende Wiesen, wo Schmetterlinge im Reigen flatterten. Wenn er ganz ruhig und still ruhte, konnte er sogar das fröhliche Lied der Schmetterlinge hören. Als er so vor sich hin döste und der Schmetterlinge süßem Gesang lauschte, unterbrach ein Jubelgeschrei seinen Tagtraum. Es war ein hässlicher kleiner Bub, der vor Freude, die Schmetterlinge entdeckt zu haben, sein Netz unaufhörlich durch die Luft wirbelte. Das konnte Peter nicht zulasen. Schmetterlinge sollen frei sein, fand Peter, und rügte den kleinen Jungen: Was er sich dabei denke, einfach die Schmetterlinge fangen zu wollen. Der Junge raunzte noch etwas, als Peter ihm das Netz abnahm und an der tiefsten Stelle des naheliegenden Teiches versenkte. Aber er sah es dann ein und lief beschämt nach Hause. All das wurde von einem großen, transparenten Schmetterling beobachtet. Dieser trat aus seinem Versteck hervor und hauchte: "Peter. Peter." Peter wurde Angst und bang, denn er konnte nicht entdecken, woher als Stimme kam: "Hab keine Angst Peter. Du kannst mich nicht sehen. Noch nicht." Peter fühlte sich nun wirklich nicht mehr wohl in seiner Haut und wollte schleunigst das Weite suchen, als ihm Tausende Schmetterlinge plötzlich die Sicht versperrten. Sie umkreisten unseren Peter und lullten ihn so in einen dämmerähnlichen Zustand ein. Der große Schmetterling verwandelte sich nun in eine Fee. Mit ihrem Zauberstab schickte sie Peter, der seine Augen schon halb geschlossen hatte, in das Land der Träume. Nach dieser Nacht erwachte Peter und rieb sich benommen den Schlaf aus den Augen. Er hatte etwas Seltsames geträumt. Er wusste nur noch, dass er am Ende eine Prinzessin von einer Krankheit heilte und ihr Vater, der König, sie ihm vor lauter Dankbarkeit zur Gemahlin gab. Verwirrt schüttelte Peter seinen Kopf. Als er sich aber von seinem Kopfkissen aus weichem, grünen Moos erhob, fiel sein Blick auf gar seltsame Gegenstände, die zu seinen Füssen lagen. Es waren drei gar eigenartige Dinge. Ein flaches polsterähnliches Gebilde, in das man Flüssigkeit füllen konnte, ein kleines Stück Zellstoff auf einem Klebeband und ein steriles Schnupftuch zählten zu diesem, wundersamen Zeug. Was auch immer diese Dinge sein sollten, sein Instinkt sagte ihm, dass er sie mitnehmen solle. Er hatte ja ohnehin nicht viel zu tragen. Er setzte seine Reise fort in ein Land, wo die Sonne sehr heiß vom Himmel schien. Sein Hemd war schon ganz durchgeschwitzt. Für heute war er nun genug marschiert, sagte sich Peter, und nahm im Schatten einer riesigen Pinie Platz. Kaum hatte er sein Bündel neben sich gestellt, wurde es laut und immer lauter um ihn herum. Alle Tiere im Umkreis von drei Kilometern hetzten an Peter vorbei. Sie waren aufgeregt weil ein Tier, das kleinere Pfoten als Beine hatte in den Geburtswehen lag. Alle Tiere waren aufgeregt. Peter eilte hinter den Tieren her. Er war wie immer von seiner unbändigenden Neugier getrieben. Da lag es. Es war ein Tier mit einem großen kräftigen Schwanz, muskulösen Beinen, aber gar mageren Ärmchen, die es nur verwendete, um sich Äste zu halten, um von diesen gute Früchte zu fressen. Dieses Tier nun lag darnieder und hatte große Schmerzen. Da , endlich kam das Junge um Vorschein. Es war aber noch so klein und schwach, dass alle Tiere schon um das Kleine trauerten. Es könne doch nie überleben. Das kam Peter zu Ohren. Er aber gab die Hoffnung nicht auf und sprach zu der Mutter dieses kleinen Tieres:" Es kann doch nicht sein, dass dieses Kerlchen nicht überleben soll. Mach Dir keine Sorgen, mir wird schon etwas einfallen." Lange wälzte sich Peter noch am Lager aus Jacken hin und her, als ihm plötzlich wieder einfiel, was er mal im Unterricht in der Schule gelernt hatte. Neugeborene brauchen vor allem Wärme. Er hatte doch so einen Beutel gefunden. Man könnte doch dieses kleine Wesen in diesen Beutel stecken und der Mutter um den Bauch binden. Dann wäre, erstens dem Kleinen nicht kalt, und die Mutter könnte es mit sich herumtragen und so auf Futtersuche gehen. Aufgeregt trommelte Peter alle Tiere wieder zusammen und beriet sich mit ihnen. Er erzählte ihnen von seiner Idee. Einige der älteren waren dagegen, aber die jungen fanden diese Idee überwältigend. Gesagt, getan. Peter trat vorsichtig an die frisch gebackene Mutter heran. Ihr wurde der Beutel um den Bauch gebunden und das Kleine hineingesteckt. Auf diesem Wege konnte die Mutter ihr Junges mit sich herumtragen ohne Angst, jemand könnte ihm etwas antun, und zweitens hatte so ihr Bauch warm, der ihr noch schmerzte, von der Geburt her. Sie war so dankbar und sagte Peter, er solle, wann immer er in Gefahr oder in Not wäre, nach ihr rufen. Seit diesem Tag tragen alle Känguruhs einen Beutel auf ihren Bäuchen. Peter setzte seine Reise fort und dachte oft noch glücklich an dieses Ereignis zurück. Nach einigen Tagesreisen kam er in ein Revier, wo es Menschen gab, die Tiere fingen um sie an Zoos zu verkaufen. Als er einmal unachtsam über etwas stolperte, war ihm, als habe sein Herz ausgesetzt. Er fiel nämlich über ein Seil, das gespannt war, um einen Käfig zu halten, der über der Erde hing. Peter riß dieses Seil, indem er darüber stürzte und prompt fiel ein Käfig über ihn. Nun war Peter gefangen. So sehr er sich auch bemühte. Es gelang ihm nicht, aus diesem Käfig zu entfliehen. Da entsann er sich der Worte, die ihm das Känguruh mit auf seinen Weg gegeben hatte. Also rief er nach dem Känguruh. Kaum versank die Sonne hinter dem nächsten Baum, schon eilte das Känguruh mit Riesensprüngen zu Peter. Mit seinen kräftigen Beinen boxte das Känguruh die dicken Stäbe des Käfigs entzwei und Peter ward so seine Freiheit wieder geschenkt. Dankend fiel er dem Känguruh um den Hals; dieses aber sprang fröhlich wieder von dannen. Seine Reise führte Peter weiter in das Land hinein. Bis hinauf auf einen sehr hohen Berg. Dort setze er sich auf einen Felsen, um den Ausblick zu genießen und ein wenig auszuruhen. Er wollte sich von dem anstrengendem Aufstieg erholen, als er ein durchdringendes Wimmern vernahm. Tieren in Not half Peter immer. So wollte er auch jetzt sehen, was denn los sei. Vorsichtig versuchte er, dem zitternden Stimmchen nachzugehen und fand die Quelle unter einem Felsvorsprung. Es war ein kleines Mäuschen, das sich die beiden Ärmchen verstaucht hatte. Es wollte auf einen Felsvorsprung klettern, um von dort aus besser zu den süßen Früchten zu gelangen, die von einem Baume so verlockend herunterlachten. Peter richtete sich auf nachdem er die Ärmchen der Tieres untersucht hatte. Nun nahm er von den Früchten, gab sie dem Mäuslein, um es zu trösten und zu stärken. Doch was konnte er noch für das possierliche Tierchen tun? Peter erinnerte sich an das Klebeband, mit dem Zellstoffstreifen und klebte es so geschickt an die Ärmchen des Mäuschens, dass es noch genug Bewegungsfreiheit hatte, die es auch brauchte, um zu überleben. Als sich das Tierchen dann auf den Felsen setzte und sich dabei zu weit nach vorn beugte, stürzte es herunter. Da aber das Klebeband genug Luftwiderstand bot, fiel das Mäuschen nicht. Sondern es segelte majestätisch zu Boden und sprang dort ganz aufgeregt, dass es nun fliegen konnte, vor Peter hin und her. Diese Maus war nun der Vater eines eigenen Mäusegeschlechts, das sich heute Fledermäuse nennt. Peter ward auch von dieser Maus gesagt, dass wann immer er sie brauche, er nur in die Luft zu sehen müsse. Irgendeine Maus dieser Gattung werde er schon entdecken. Diese wird dann zu der geretteten Maus fliegen und Bescheid geben, sodass er nicht lange zu warten brauche. Also zog Peter weiter. Er war aber schon langsam seiner Einsamkeit müde. Er wünschte sich eine Gefährtin, die ihn sein Leben lang begleiten möge. Nach gut einem Monat kam Peter in ein gar merkwürdiges Land. Alle Leute, die er sah, hatten eine rote Nase und musste immer niesen. Er fragte die Leute, welch ein Land das denn sei, in das er geraten wäre. Die Leute konnten kaum sprechen, denn sie waren heiser. Es musste sich also um einen gar hartnäckigen Bazillus halten. Denn er wusste noch aus der Schule, dass Leute, die eine rote Nase haben und nicht sprechen können, von einem Bazillus befallen seien. Was könnte man da nun tun, fragte sich Peter, der nicht nur den Tieren gut gesonnen war. Er hörte, dass auch die Königstochter, die liebliche Prinzessin Amalie, von dieser Krankheit befallen sei. Er hörte ebenfalls, dass der Mann, der Amalie heilen könnte, sie auch zur Frau bekomme. Also überlegte Peter fieberhaft, wie er ihr helfen könnte. Denn er hatte Amalie kurz gesehen, als man sie eine Viertelstunde lang an die frische Luft gebracht hatte, in der Hoffnung, dass sie dadurch gesunden könnte. Hatte Peter sie auch nur sehr kurz gesehen, so entbrannte ihm doch schon sein Herz für diese schöne Prinzessin. Da fiel ihm dann sein Schnupftuch ein, das er immer noch in einer sterilen Verpackung in seiner Tasche hatte. Vielleicht wird sie deshalb nicht gesund weil sie immer wieder mit dem Erreger in Kontakt gerät, befand Peter für sich und schenkte seiner angebeteten Prinzessin Amalie das sterile Schnupftuch und lehrte die Bevölkerung den Mechanismus der Schmierinfektion; damit sie in Zukunft ihre Taschentücher immer nur einmal verwendeten. Nach zwei Wochen war das ganze Land wie durch ein Wunder geheilt. Peter wurde als Retter der Nation gefeiert und bekam wie versprochen die Hand der Prinzessin Amalie. Alle feierten überglücklich mit dem Paar ihre junge Liebe. Die Hochzeitszeremonie wurde von dem großen, transparenten Schmetterling gehalten, der Peter augenzwinkernd an den Nachmittag auf der Schmetterlingswiese erinnerte und zu ihm sagte: "So lieber Peter. Damals konntest Du mich noch nicht sehen. Aber heute, da Du schon so viel Gutes getan hast und die Prinzessin zur Frau bekommst, sollst Du mich erkennen dürfen." Nach drei Drehungen um die eigene Achse wurde aus dem Schmetterling die Elfenkönigin, die von einem Schwarm vermeintlicher Schmetterlinge, die in Wirklichkeit aber Elfen waren, umschwärmt wurde, und die Elfen trugen Peters Mutter auf einer Sänfte. Sie konnte die weite Reise nicht mehr zu Fuß machen. Aber sie wünschte sich nichts sehnlicher, als auf der Hochzeit auch anwesend sein zu können. Nach der Trauung fuhr eine Kutsche vor, die von Mäusen gezogen wurde. In diese stieg das jungvermählte Paar und schon ging es ab in die Lüfte. Denn die Mäuse waren Fledermäuse. Lange noch lebte das Paar und Peters Mutter glücklich und zufrieden, vor allem aber gesund in ihrem schönen Land. Zum Seitenanfang |