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Engel  -  Mein Stern  -  Tanzendes Herz

 Drei Gedichte von Andreas Gröger

Engel

 Engel, wo ist Dein Beschützer heute Nacht?

Wenn Du an meinem Bett sitzt

und das Tier der Angst in mir zähmen willst

Hast Du keine Angst vor dem Ende?

 

Engel, wo sind Deine Flügel heute Nacht?

Die Du ablegen musstest

um durch meine Tür zu kommen

Wolltest Du mich nicht emportragen?

 

Engel, wo ist Dein Herr heute Nacht?

Wenn ich ihn fragen will

warum er meiner spottet

Warum lügt er?

 

Engel, wo ist Dein Heiligenschein heute Nacht?

Wenn Du bei mir bleiben willst

auf meinem Weg ins Dunkel

Hast Du Nachts keine Angst?

 

Engel, wo ist Dein Schwert heute Nacht?

Das Du heben müsstest

um die Schleier zu durchtrennen

die sich über meine Augen legen

Haben Deine Hände solche Kraft?

 

Engel, wo ist Deine Stimme heute Nacht?

Die für mich singen sollte

mein letztes Lied auf Erden

Wer sollte es sonst tun?

 

Engel, wo ist Dein Mantel heute Nacht?

Den Du um mich legen solltest

wie für andere auch

Fühlst Du die Kälte nicht?

 

Engel, wo sind Deine Hände heute Nacht?

Die für mich beten sollten

und mich halten

Bin ich Deiner nicht würdig?

 

Engel, warum gehst du heute Nacht?

Du, der über mich wachen sollte

in der Stunde des Abschiedes

Begleitest Du mich nicht?

 

Engel, wo sind Deine Augen heute Nacht?

Mit denen Du mich trösten solltest

und mir Gewissheit geben

Beschämt Dich mein Anblick so sehr?

 

Engel, wo ist Deine Nähe heute Nacht?

Die ich fühlen sollte

Und die mich hält

wie eine Mutter es tut

Bist Du schon fort?

 

Engel, wohin gehe ich heute Nacht?

Wird es das Licht sein

oder die Schatten?

Mir ist so kalt, Engel

Und es wird dunkel

so schrecklich dunkel

 

Engel?

 

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Mein Stern

 Nun bist du fort

bist weitergezogen

hast Dir einen neuen Himmel gesucht

neue Gesichter, die lächelnd zu Dir aufblicken

 

und ich?

Ich bleibe hier

und blicke Dir nach

und reihe mich ein

in die Schlange derjenigen

die nichts mehr haben

nichts mehr wollen

und die nichts mehr retten kann

die dumpf ihre Tage durchdämmern

und deren Seelen nur ab und an

in kurzen Momenten fernen Glücks

von ihren verloschenen Sternen erleuchtet werden

 

Du hast ein Glänzen in meine Augen gezaubert

mein Stern

Du hast meine Seele reingewaschen

vom Schmutz und der Schuld

einfach nur leben zu müssen

Du hast mich erhoben über alle

und mich unsterblich gemacht

mit einem Leuchten von Dir

 

Und so sitze ich hier

und trinke

auf meinen Stern

wärme mich ein letztes Mal in seinem Glanz

bevor ich mein Leben verliere

und nichts mehr will

außer dem Vergessen

 

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Tanzendes Herz

Du bist mir begegnet, tanzendes Herz

Du hast mich getroffen, tanzendes Herz

Du hast mich verzaubert, tanzendes Herz

und mein Innerstes zum Klingen gebracht

 

Mit dem Licht Deiner Augen, tanzendes Herz

Mit dem Klang Deiner Stimme, tanzendes Herz

Mit dem Geruch Deiner Haut, tanzendes Herz

hast Du meine Seele durchbohrt

 

Ich habe lodernde Freude empfunden, tanzendes Herz

Ich habe unsterbliches Glück gefühlt, tanzendes Herz

Ich habe ewige Liebe geschworen , tanzendes Herz

mit jedem Gedanken an Dich

 

Du hast mich angeschaut, tanzendes Herz

Du hast geweint mit mir, tanzendes Herz

Du bist alleine gegangen, tanzendes Herz

und hast mich zurückgelassen

in der Wildnis Deines tanzenden Herzens


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