Wenn
es wieder mal Februar ist,
Winter in dieser kleinen Stadt,
dann höre ich oft schon morgens Regentropfen,
die den gestrigen Schnee
als Matsch von unserem Dachfenster rutschen lassen,
und es wird wieder eng in der Brust.
Bilder des letzten Sommers tauchen dann auf,
an grüne Landschaften, kühlenden Wind in der Sonne, erfrischenden
Regen.
Die Erinnerung an den See in Mecklenburg,
in dem zwei junge Verliebte schüchtern sich näher kamen,
die wird zum Schmerz in der Brust -
und du weißt nicht, wohin damit.
Plötzlich muß ich an flügelgestutzte große Vögel
in ihren Volieren denken.
Wie sie es aufgegeben haben, mit der Zeit,
die kurzen Flügel vergeblich zu schlagen,
den Zaun zu überwinden.
Wie sie, mit struppigen Köpfen,
die hingeworfenen Körner aufpicken
und dann, hin und her schaukelnd,
mit leeren Augen einen künstlichen Ast erklimmen.
Dann will ich auf Reisen gehen,
weg, raus, fort aus der täglichen Enge -
und hab' doch nur Angst vor'm Alleinsein da draußen.
Denn eigentlich möcht' ich ja nur der Junge sein,
im Sommer,
mit seinem Mädchen im Mecklenburger See.
****
Gestern
war es noch mitten im Sommer,
heut' morgen scheint die Sonne
ein wenig anders zu stehen.
Der Wind hat seine Richtung geändert,
bringt Kühle jetzt, statt morgendlicher Frische.
Der Streifen nackter Haut
zwischen Bund und Bluse,
der zum parfümierten Wölkchen gehörte,
ist noch unerreichbarer geworden.
Du stehst da,
mitten in der Stadt,
und es schmerzt ein wenig,
wenn du meinst,
verbrannte Stoppelfelder zu riechen.
***
Mai
Ein
Tautropfen
möchte ich sein,
auf frühdunstverhangener Wiese.
An Spinnweben hängend,
den ersten Sonnenstrahl spiegelnd,
möchte ich,
weniger und weniger werdend,
die Raupe einladen,
zartfellig,
das frische Grün zu verspeisen
*****
B
4, Höhe Busendorf
Die Hitze draußen, brütend,
Flimmern überm Asphalt.
Die Straße zieht sich in die Länge
mit endlos weiten Kurven.
Zonen-Grenzbezirk, wenig Verkehr.
Satt röhrend zieht der Maserati dahin,
kühl rauscht die Klimaanlage.
Plötzlich ist sie hinter dir:
helles, kleines Auto,
fährt beinah auf, verzögert kurz, beschleunigt
wieder.
Du siehst: sie singt,
das Lenkrad rhythmisch mit den Fingern trommelnd.
Den Wagen etwas rechts versetzt -
jetzt ist sie voll im Außenspiegel.
Ihr Kopf schwingt hin und her,
schmal das Gesicht, voll hingegeben.
Lange Haare fallen auf die Schultern,
weh’n im Wind des off’nen Fensters,
weit aufgeknöpft, die helle Bluse, flatternd.
Du suchst den Sender, ihren Rhythmus.
Und plötzlich Harmonie: ihre Bewegungen, deine
Musik.
Eine schwarze Stimme, lasziver Background,
Soulmusic.
Sie tanzt. Tanzt mit dem Kopf, dem Oberkörper,
ihren Händen.
Lass sie dichter ran.
Sie weiß,
dass sie gesehen wird:
hebt die Haare, hält sie mit der Hand,
wiegt den Kopf, zurückgelehnt, die Augen halb
geschlossen:
sweet,
sweet music.
Lauter, das Radio,
jetzt spürst du’s auch,
beginnst, dich mitzuwiegen.
Ihre Haare fallen herab -
sie scheint nicht mehr zu fahren -
da, ihre Hand,
sie streift die Bluse von der Schulter!
In die Augen, du
musst ihr in die Augen sehen!
Kreuzung. Zack. Weg.
Wieder mal
hat mich mein Auto
mit seiner Protzigkeit
selber überholt.