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      1944

Von Vladimir Dianiska

Tausende glasiger Augen gleiten über den Horizont,

die Schönheit des Lebens tief einsaugend,

berühren sie mit ihren Blicken die Unendlichkeit.

Dicht schweben die schweren Wolken über das Meer,

vereinen sich mit den Wellen, 

tauschen sich aus im nassen Dialog.

 

Erlösend peitscht der Wind den Regen in die Gesichter,

läuft den Falten entlang zum schwer schluckenden Kehlkopf.

Nur langsam verschwindet der Schmutz,

wird das Salz aus dem Barthaar verdrängt.

So stehen sie da, ohne Worte und unbewegt,

konsterniert die Brandung verfolgend,

wie sie wütend das Blut aufschäumen läßt.

 

Wie Seetang in der Strömung

bewegen sich die toten Körper im Pulsschlag der Natur.

Ziellos im Kreislauf gefangen,

durchnäßt und anonym schwimmen sie

schwerfällig mit den Fischen Hand in Hand.

Seid nicht traurig, der Schmerz ist gegangen,

die letzte Träne ist geflossen,

reitet weiter auf den Flügeln der Freiheit dahin.

 

Betrachte den Sand wie er sich verfärbt,

dunkelrot fließen die Ströme,

bahnen sich ihren Weg, jeder für sich ein Mensch,

sieh zu wie sie dahinfließen,

wo sind sie geblieben

ihre Arme, Beine, ihre Körper

die jungenhaften Augen,

ihre unvollkommenen Träume?

 

Betrachte die Toten, wie sie liegen,

beinahe schlafend, die Augen empor gerichtet,

widerstandslos, besiegt.

Weine nicht,

denn genug Tränen werden noch vergossen,

sauber die Wangen einer Frau,

einer Mutter entlang laufend.

 

Entsinnst du dich?

Hörst du das Geschrei in deinem Inneren?

Riechst du noch das Salz, die Feuchtigkeit, den Tod?

Sieh hin wie du läufst, getrieben von Angst,

hinaus auf die Bühne der Schrecklichkeit.

Um dich herum verschwinden sie

wie die Schatten zur Mittagszeit,

sich die Haare ausreisend fallen sie auf die Knie.

Sieh hin aber weine nicht,

wenn ihr Fleisch den Dreck nach Verstecken durchwühlt,

wenn sie jammernd kriechen,

entmenschlicht, degeneriert einem Tier gleichend.

 

Blicke dich um, präge dir ein das Gesicht,

oh Gott diese Augen, weit offen,

Zuflucht suchend wo es keine gibt,

so haucht er dir sein Leben ins Gesicht.

 

Stahl, du Bote des Todes erlöse mich,

dringe ein in mein Fleisch,

dein metallenes Gift versprühend,

befreie mich aus diesem elenden Käfig,

öffne den Himmel, lass das Blut sich teilen,

die Augen sich schließen,

das Geschrei verstummen.

 

Tausende von Blicken wenden sich ab,

schmutzige Flecken verschwinden,

im Mantel des Regens verhüllt.

Ihre Seelen, ihre Träume aber,

die bleiben liegen,

zwischen den nassen Körpern sich verlierend,

mit jedem Schritt tiefer im Schlamm versinkend.

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