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Die Gedichte von Guido Wolf

Eine Nacht

Sie löschte das Licht

Und kam ins Bett.

Die Dunkelheit

Gestattete nur Umrisse

Ich konnte ihren Blick

Nur erahnen.

Sie war weich auf meiner Haut

Und zärtlich ihre Art

Ihre Berührung befreite mich.

Sie küsste meine Narben

Es war nur eine Nacht

Doch wir fühlten die Unendlichkeit.

Nur für ein paar Stunden

Schenkten wir uns Träume

Und erfüllten sie

Mit jedem Kuss, jeder Berührung.

Wir sprachen nicht, es war still

Die Dunkelheit begann zu singen

Ich schlief in ihren Armen ein.

                *****

Rückblick

Wir waren viel zu jung

Haben das Beste verspielt

Zuviel Wünsche, zu viele Träume

Doch leider nicht genug Verstand

Ich weiß das Potential war da

Doch die Gebrauchsanweisung

Noch nicht geschrieben

Heute lach ich über das

Was  damals begraben

Unter Tränen

Schon fast für tot gehalten wurde

Ich kann die alten Dinge nicht

Wieder zu neuem Leben erwecken

Doch ich kann sie neu erschaffen

Und wir werden uns wiedersehen

In jeder Träne, jedem Lachen

Denn gestern wird auch immer

Heute sein

                    *****

London

Es war Nacht

Die Stadt war müde

Wir waren es auch

Du kamst herüber

Ich ließ es zu

Und trage jetzt die Last

Ich fühle es, sehe es

Doch es ist verblasst

Die Nacht hat es gesehen

Und stand uns bei, in Tränen

Das Ziel kam immer näher

Wir fuhren dran vorbei

Vielleicht waren wir zu müde

Oder längst noch nicht bereit

                    *****

Spätvorstellung

Wir hatten beide zu viel getrunken

Vielleicht auch grade genug

Sie zog mich wie einen kleinen Hund

Hinunter an den weißen Strand

Ich hörte die Wellen rauschen

Oder vielleicht ein altes Flugzeug

schnaufen

Wir fielen in den Sand

Er fing uns auf mit offenen Armen

Und gab uns seinen starken Halt

Ein paar Betrunkene torkelten vorbei

Beschuldigten uns ihres Leids

Mit Frauen und Träumen in den Armen

Die schon längst Geschichte waren

Die ersten Küsse schmeckten bitter

Wurden doch bald zuckersüß

Das Verlangen nach der Schönheit

Des Moments verstärkte sich

Doch auch das Gift in unseren Körpern

Machte langsam seinen Weg

Ich ließ das Gift entkommen

Sie wischte mir den Mund

So saßen wir jetzt beide da

Und starrten in den Himmel

Das Rauschen jetzt noch klarer

Tausend kleine Vorhänge schlossen sich

Langsam ging die Sonne auf

Und die eine Schönheit

Machte Platz für die Nächste

                    *****

Vorstellungsgespräch

Sie sah aus wie achtzehn

Vielleicht war sie´s ja auch

Zu kostbar um dort zu sein

Zu losgerissen

Um es nicht zu sein

Sie wusch sich den Körper

Ich setzte mich hin

Und zählte die Leichen

Der Träume im Raum

Ich sagte “ich gehe morgen

nach Spanien”

“Da ist es schön” sagte sie

Das bist du auch, dachte ich

Und wachte auf

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