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Das Hochhaus

Von Sabine Zander

Mein T-Shirt und meine Hose flattern um meinen angespannten Körper. Zerzauste Haare kitzeln mein Gesicht.

Der Wind bläst mir kräftig in den Rücken. Er drängt mich.

Aber jetzt noch nicht. Es ist noch nicht so weit.

Ich öffne die Augen und sehe in den weiten Himmel. Riesige weiße Flocken ziehen in Scharen vorüber. Sie verändern ihre Gestalt. Lockende Gesten betören mich. Weisen mir den Weg nach vorn. Alle sind sie da. Begleiten mich. Zeigen mir die Freiheit.

Sie wandern schnell. Sie drängen mich.

Aber jetzt noch nicht. Es ist noch nicht so weit.

Mein Blick wandert verträumt nach unten. Vor mir eine endlose Tiefe. Imposante Weite. Mir schwindelt.

Sie zieht mich. Sie drängt mich.

Es ist bald soweit.

Überall dort unten sehe ich das kleine Ungeziefer in ihrem geschäftigen Treiben. Sie hassen mich und ich hasse sie. Ich bin hier oben und diesmal schaue ich auf sie herab. Ihr könnt mir nichts mehr anhaben.

Ich wähle die Freiheit.

Ich gehe  einen kleinen Schritt nach vorn. Meine Füße ragen über die Kante. Ich hebe den Kopf und schließe erneut meine Augen. Ich hebe meine Arme seitlich von mir. Der Wind umgarnt mich. Er scheint mich wegtragen zu wollen.

Ich warte. Jetzt ist es so weit.

Ich atme ruhig die frische Luft ein. Sie erfüllt meine Lungen. Lässt mich die Freiheit schmecken. Sie schmeckt herrlich.

Eine kräftige Böe drückt gegen meinen Rücken. Ich verliere das Gleichgewicht und lasse mich bereitwillig davontragen.

Jetzt passiert es, ich bin auf den Weg in die Freiheit.

Ich spüre den rasenden Luftzug meines Falls. Er wirbelt mich herum. Er drückt gegen mein Gesicht. Drückt gegen meine Lider. Er zwingt mich, die Augen zu öffnen. Ich sehe grauen schmutzigen Asphalt auf mich zukommen. Sehe keine Freiheit. Spüre bedrohliche Härte. Keine leichten Flocken. Schrecken durchzuckt mich. Mein Herz bleibt stehen. Ich will nicht sterben! 

Nicht! Halt! Nein! Dunkel.

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