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Die Knüddel

Ein Fantasy-Roman von Ingrid Krispin

Die Knüddel waren ein kleines Volk, das vor vielen Jahren tief im Wald lebte. Sie sahen aus wie kleine achtjährige Menschenkinder. Die Hütten, in denen sie lebten, hatten einen schönen Garten mit einem wunderschönen weißen Gartenzaun. Die Knüddel waren gute Gärtner. Die Menschen meinten, sie hätten den grünen Daumen.

Doch die Macht, die sie besaßen ging weit über den „grünen Daumen“ hinaus. Denn die Knüddel konnten das Wachstum eines Samens  gedanklich steuern. Dazu mussten sie ihn nur in die Hand nehmen. Sie konnten dem Samen Befehle geben. Farbe und Wachstum konnten die Knüddel auf diese Weise beeinflussen.

Je nach Größe ihrer Macht, konnten sie auch die Gestalt und Größe  eines Baumes bestimmen. Später wurde diese Macht als “die Gabe“ bezeichnet. Jeden Samen, den sie berührt hatten, fing nach wenigen Minuten an zu wachsen. Die Knüddel`s waren berühmt für ihre  Blumen und wirkungsvollen Heilkräuter. Im Frühjahr sah man in einem Knüddeldorf  die wunderschönsten Pflanzen und Blumen in den prachtvollsten Farben. Dann lag ein betäubender Geruch in der Luft.

Die Knüddel`s ähnelten einander sehr und es war schwierig sie auseinander zu halten. Die Pflanzenfreunde hatten für ihre Körpergröße von 1,30m, überdimensional große Füße. Mit denen sie recht geschickt, über Hecken und Büsche hüpfen konnten. Sie hatten strahlend grüne Augen. Die dunklen Haare waren ein hübscher Kontrast zu der hellen Haut.   

In ihrer Freizeit sprangen die kleinen Wichte mühelos über Bäche und Hecken. Jeder Samen, den sie bei ihren Streifzügen im Wald berührten, wurde zu einem kräftigen Baum oder Busch.

Viele Völker kamen von weit her, um Hilfe zu erbitten, wenn ihre Ernte schlecht ausgefallen war.

Da die Knüddel sehr hilfsbereit waren, gingen sie oft zu den Menschen und sorgten dafür, dass die Ernten reich und üppig ausfielen. Die Menschen brauchten zu dieser Zeit niemals Not leiden. Die Knüddel waren ein gern gesehenes lustiges, kleines Völkchen. Alle Vornamen der Knüddels fangen mit einem  „K“  an. Ihre Nachnamen lauteten Knüddel.

Es war schon lustig den Knüddels bei der Begrüßung zu zuhören. Das klang dann so: „Guten Tag Kim Knüddel“ „ Guten Tag Karl Knüddel.“ Wenn mehrere Knüddel sich trafen, wurde es richtig lustig. Es konnte lange dauern bis sie sich alle begrüßt hatten. Denn die Knüddels waren sehr höfliche kleine Wesen.

Sie sangen  auch gern schöne Lieder und hörten für ihr Leben gern Geschichten. Die Menschen, oder andere Wesen, die sie in ihren Wald besuchten, wurden von ihnen eingeladen. Wer einmal zu Gast bei den Knüddels war, erinnerte sich sein ganzes Leben  an diese Begegnung.

Es gab zu dieser Zeit kein Volk, das gastfreundlicher war als die Knüddels.  Für eine Geschichte aus fernen Ländern, behandelten die Knüddels ihren Gast wie einen König.

So lebten die  Wichte viele Jahre glücklich und zufrieden. Doch eines Tages brach das Unheil über das kleine Volk herein. Dieses Unheil kostete viele Knüttel das leben. Ein Krieg brach aus, der in vielen Bücher beschrieben wurde. Noch viele Jahre später berichteten die Gelehrten  von dieser Katastrophe.

 

 Der Krieg

 

An dem Tag, als König Quast die Macht übernahm, brach das Unglück über die Menschheit herein. Der König war ein verbitterter Mann. Alles Helle und Schöne hasste Quast wie die Pest, besonders Blumen und Bäume. So kam es, dass der König seinen Männern befahl, alle Bäume und Pflanzen zu vernichten.

Seine Soldaten brannten alles nieder, bis kein Baum, kein Strauch, keine Blume, ja nicht einmal ein Grashalm mehr existierte. Nur hatte er die Folgen seines grausamen Befehls nicht bedacht.

König Quast stand auf dem Turm seines Palastes und erfreute sich an  der Zerstörung. Das Land war schwarz und verbrannt. Die Menschen versuchten zu retten, was noch zu retten war. Sie bauten überall neues Getreide an. Doch der König ließ auch dieses wieder niederbrennen.

Zu dieser Zeit hatten die Knüddels alle Hände voll zu tun. Sie zogen von einem Ort zum anderen und boten ihre Hilfe an. Quast erfuhr davon. Er befahl seinen Soldaten die Knüddels zu verfolgen und zu töten.

Ein Krieg begann,  der viele Knüddel das Leben kostete. Die Knüddels waren große Gärtner, aber keine Krieger. Ihr Wald wurde angezündet. Sie flohen in alle Richtungen.

Sie zogen sich in ein natürlich entstandenes unterirdisches Labyrinth zurück. Sie versteckten sich  lange Jahre darin, bis sie schließlich in Vergessenheit gerieten.

Viele, sehr viele  Knüddels wurden während des Krieges getötet. Nur wenige des kleinen Volkes überlebten das Gemetzel. Das Land war rot von ihrem Blut und schwarz von der Asche des Feuers.

Die Herrschaft des grausamen Königs dauerte, dank eines  Zauberers der ihm einen Verjüngungstrank braute, viele Jahrhunderte an. Quast eroberte ein Reich nach dem anderen. Alle Bäume und Pflanzen wurden zerstört, bis es keine lebende Pflanze mehr auf dieser Erde gab.

Den Menschen wurden die gesamten Vorräte gestohlen und in den Palast gebracht. Nun waren sie auf das angewiesen was, der König ihnen gab. Das war nicht besonders viel.

  Die Knüddels ziehen sich zurück

Die wenigen Knüddels, die es noch gab, hatten sich in ein natürliches Höhlensystem  zurückgezogen. Sie  lebten mehr schlecht als recht unter der Erde.

Sie bauten einige Höhlen um, in denen  sie Pilze züchteten. Das Leben unter der Erde machte ihnen wenig Spaß. Es war nicht leicht sich in dem unterirdischen Labyrinth zurecht zu finden. Zudem vermissten sie die Sonne, die Vögel und am  meisten die grünen Bäume.

In der ersten Zeit gingen einige von ihnen an die Oberfläche. Manche kamen nicht zurück. Die zurückkamen starben schnell an gebrochenen  Herzen.

Die tiefe Traurigkeit in ihren Augen war herzzerreißend. Bis zu ihrem Ende sprachen sie dann in einem fort:

“Es gibt nichts Grünes mehr, alles ist verdorrt. Der grausame König Quast hat alles verbrennen lassen.“ So kam es, dass kein Knüddel mehr an der Oberfläche der Welt gesehen wurde.          Ihren Kindern erzählten die Knüddel: „Auf der Erde wohnt das Grauen. Ihr dürft  niemals nach oben gehen.“ Dann versperrten sie die Höhlen und tarnten sie von außen. Von nun an konnte keiner mehr hinein noch hinaus.

Sie lebten lange Jahre unter der Erde und

„Die Gabe“ des Pflanzengestalten,  wie ich es nenne, verkümmerte.

So mussten  die nächste Generationen hart arbeiten damit alle genug zu essen hatten. Obwohl die Gärtner alles versuchten, wollten die Pilze nicht mehr gedeihen. Nur wenige Pilze erreichten eine essbare Größe.

Auch sorgte das Wetter an der Oberfläche dafür, dass die Knüddel kein leichtes Leben hatten. Sintflutartiger Regen hatte die Höhlen überschwemmt. Keime und Viren wurden mit dem Wasser in die Höhle gespült. Die kleinen Leute kämpften nun auch noch mit Seuchen. Die Knüddel hatten schwere Zeiten zu überstehen.

Kinder wurden nur noch selten geboren und das war auch gut so, dachten die meisten Knüddels. Wie sollten sie die Kinder auch ernähren? Doch wenn doch eines geboren wurde, feierten sie ein großes Fest.

 Das Land verdorrt

Den Menschen ging es nicht besser! Sie versuchten immer wieder ihre Felder zu bestellen doch die Ernte blieb aus. Auch bei den Menschen gingen die Geburten zurück. Die Vorräte von König Quast schrumpften, bis er am Ende nur noch sich und seine Soldaten ernährte.

Die Tiere im Land fanden nichts mehr zu fressen und starben. Die wenigen die es noch gab, beanspruchte der König für sich. So kam es, dass es der Bevölkerung untersagt wurde auf die Jagd zu gehen.

Das Volk war verzweifelt. Die Menschen wussten  nicht mehr wie es weiter gehen sollte. Viele von ihnen wurden beim Wildern erwischt und getötet. Es waren schwarze Jahre. Das Lachen und Singen in den Dörfern erstarb. Die anfänglichen Rebellionen wurden schnell niedergekämpft und im Keim erstickt.

Es gab einige Männer die sich in den Bergen versteckten und jeden Lebensmitteltransport überfielen. Doch auch diese wurden aufgespürt und hingerichtet. Zu dieser Zeit befahl der König, dass wieder Getreide angebaut werden müsse. Doch alle Bemühungen waren umsonst, denn die verbrannte Erde war unfruchtbar.

Dort wo die Erde nicht verbrannt war, verdorrten die Samen, sobald sie mit der Erde in Berührung kamen.

 Der Befreier

Einhundertfünfundzwanzig Jahre nach der Machtübernahme von König Quast wurde weit ab seines Palastes in dem Dorf Oris, das Menschenkind Irisus geboren. Seine Eltern, Dicentra und Maltus wünschten sich schon seit Jahren ein Kind.

Doch in ihrem Dorf war schon seit vielen Jahren kein Kind mehr zur Welt gekommen. Dann wurde Dicentra schwanger und gebar einen Sohn. Sie nannten ihn Irisus.

Maltus war trotz der schlechten Zeiten glücklich. Er sah in der Geburt seines Sohnes ein Zeichen dafür, dass die schlechten Zeiten nun vorüber waren.

Irisus war eine sehr starke Persönlichkeit. Er begann schon früh zu sprechen und war ein sehr fröhliches Kind. Irisus besuchte gern die Nachbarn, und die freuten sich über sein Kommen. Er sang viel und erzählte schon als Kind wunderschöne, kleine Geschichten. Alle Menschen die ihn erzählen hörten, sahen Bilder vor ihren Augen entstehen. Dies war eine ganz besondere Gabe.

Besonders die Alten luden Irisus immer wieder ein und baten ihn: „Irisus wir haben hier ein schönes Buch von Blumen und Bäumen, bitte ließ uns daraus vor.“ Irisus mochte Bücher sehr, deshalb ließ er sich nie lange bitten und las den Alten und den Jungen die Geschichten vor.

So wuchs er heran wurde groß, stark und sehr belesen. Die Zeiten wurden zwar nicht besser, doch hatte man wenigstens wieder etwas Freude am Leben.

Irisus hatte es sich zur Aufgabe gemacht den Ärmsten zu helfen, er brachte ihnen immer etwas Eßbares mit. Der Junge war voller Leben und Kraft, die ansteckend wirkte. Die Männer des Dorfes, mussten  nun immer weitere Stecken zurücklegen, um noch etwas Nahrung für ihre Familien zu finden.

Maltus brachte seinem Sohn von diesen Reisen immer ein Buch mit. So hatte Irisus schon eine recht passable Sammlung beieinander. .

Die wenigen jungen Männer, die es noch gab, schlossen sich Irisus an. Er las ihnen Geschichten aus seinen Büchern vor. Sie hatten viel Spaß miteinander.

Nach kurzer Zeit hörte man Gesang aus den Hütten und die tiefe Traurigkeit der Menschen im Dorf verschwand.

Ein Jahr nach Irisus Geburt kam Galadius zur Welt. Galadius wurde der beste Freund von Irisus. Die Beiden unterhielten sich oft über die schlechten Zeiten. Das Essen war knapp und bald würden die Männer des Dorfes überhaupt nichts Essbares mehr finden. Irisus sagte zu Galadius: „ Es muß etwas geschehen! Ich werde mich auf den Weg machen und dem König einen Besuch abstatten.“

Eines Tages, war es dann soweit. Maltus kam nach Hause und hatte nichts zu essen gefunden. Da beschloß Irisus endgültig seine Reise zum König anzutreten. Er sprach zu seinen Eltern: „ Ich werde aufbrechen, um den König klarzumachen, dass es so nicht weiter gehen kann.

Die Kinder meines Volkes haben noch nie in ihrem Leben einen Baum gesehen. Die Luft wird immer schlechter und das Wasser in den Bächen fängt an zu faulen. Wir werden alle zu Grunde gehen, wenn nicht bald etwas unternommen wird.“ Irisus Eltern hingegen sagten: „Bleibe bei uns mein Junge.

Der König wird dich erst gar nicht empfangen. Er ist so grausam. Er wird dich töten. “ Irisus wollte aber nicht tatenlos herumsitzen und auf den Hungertod warten.

So packte er die wenigen Habseligkeiten, die er besaß ein, und trat seine Reise an.

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