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Ein Roman von Annika Monsue
Vorbemerkung: zur Handlung des Romans: Erstens geht es darum, dass in einem Labor ein tödliches Virus ("Lyon") gezüchtet wurde, das an Terroristen verkauft werden sollte. Vier junge Leute finden das heraus und wollen es mit Hilfe eines Reporters ans Licht bringen. Außerdem geht es aber um die vier Leute (Dennis, Mark, Nina und Yukiko), die im Lauf der Zeit ziemlich viel über einander und auch über sich selbst erfahren. Denn natürlich haben sie mehr mit der Geschichte über das Virus zu tun, als sie zuerst selber wissen. Prolog Artmann parkte den Wagen vor dem Hintereingang und stieg aus. Er holte das Mädchen vom Rücksitz und schlug die Tür wieder zu. Der riesige Komplex ragte vor ihm aus der Dunkelheit. Obwohl in dieser Nacht Vollmond herrschte, glaubte Artmann, noch nie eine schwärzere erlebt zu haben. Die Sträucher rings um ihn herum warfen tiefe Schatten im Licht des Mondes, und es war merkwürdig still, fast als würde die Nacht alles Leben verschlucken. Die Dunkelheit schien sich geradezu zu verdichten, Form anzunehmen, wie ein riesiges Monster. Es wartete darauf, dass er, Artmann, ihm den Rücken zudrehte, damit es heraustreten und ihn töten konnte. Artmann schüttelte diesen Gedanken ab und drehte der Dunkelheit den Rücken zu. Er hielt das schlafende Mädchen fest in seinen Armen, während er den beleuchteten Konzern betrat. Es war nach elf, und die meisten Arbeiter waren schon vor Stunden gegangen. Artmann gab den Sicherheitsbeamten einen Wink. "Ich hab noch ein paar Sachen da, die ich gerne holen würde." Er passierte das Drehkreuz, ging bis zum Ende des Ganges und betrat einen Aufzug. Er drückte die Taste für den Keller, die Türen schlossen sich, und sie fuhren nach unten. Artmann stieg wieder aus, seine kleine Tochter immer noch auf den Armen, und ging einen langen, hellen Korridor entlang, an dessen Ende sich eine dicke Eisentür mit der Aufschrift 'ZUTRITT FÜR UNBEFUGTE VERBOTEN' befand. Er holte seine Schlüssel hervor und sperrte die Tür auf. Mit einiger Anstrengung konnte er sie mit nur einem Arm öffnen. Dahinter erstreckte sich ein weiterer Gang, diesmal jedoch unbeleuchtet. Artmann ließ die Tür hinter sich weit offen stehen, damit genügend Licht hereinfiel. Dann ging er bis zum Ende des Flures und öffnete eine weitere Tür. Dahinter lag eine steile Treppe, die in die tiefste Dunkelheit hinabführte, und deren Ende man von oben nicht erkennen konnte. Die Dunkelheit ist mein Feind. Ich muss sie bekämpfen. Vorsichtig betrat Artmann die erste Stufe. Er glaubte von irgendwoher eine leise Melodie zu hören, fast wie eine süße Stimme, die versuchte ihm etwas zu sagen. Aber der Eindruck ging so schnell vorüber, wie er gekommen war, denn das Rauschen des Blutes dröhnte in seinen Ohren, und sein Herz pochte so laut, dass es alle anderen Geräusche übertönte. Langsam führte ihn die Treppe weiter nach unten, und er konnte förmlich spüren, wie er immer tiefer in die Dunkelheit eintauchte. Es war kalt dort unten, und kleine Dampfwolken stiegen aus Artmanns Nase, wenn er atmete. Er sah hinab auf das hübsche Gesichtchen seiner Tochter, die ruhig und friedlich in seinen Armen lag, wohl in einen süßen Traum versunken. Blonde Löckchen fielen ihr auf die Wangen, und es sah fast aus, als würde sie lächeln. So sollte sie sein. So, ein Gesicht wie das eines Engels. Unsterblich schön. Sie sollte nicht alt und hässlich werden, wie all die anderen, deren Schönheit so vergänglich war. Vergänglichkeit ist eine Sünde. Niemand wird dem Tod entgehen. Bekämpfe die Sterblichkeit. Artmann war nun fast am Ende der Treppe angelangt. Völlige Dunkelheit umgab ihn, versuchte ihre Klauen nach ihm auszustrecken, ihn zu verschlingen. Die Dunkelheit ist dein Feind. Er erreichte die letzte Stufe und betrat den Flur, der am Treppenende begann. Das kleine Mädchen an seiner Schulter fing an unruhig zu atmen, fast als spürte es die Spannung, die von hier unten ausging. Hier unten. Das war so vertraut geworden, in den letzten zwölf Monaten. Wenn Artmann von diesem Bereich des Konzerns gesprochen hatte, dann hatte er es immer 'dort unten' genannt. Erst jetzt fiel ihm auf, wie gut dieser Name passte. Wie düster und unheimlich er sich anhörte, und düster und unheimlich war alles an diesem Ort - dort unten. Hier unten. Artmann hatte bereits ein gutes Stück des Korridors hinter sich gebracht, als er vor sich das Licht entdeckte, dessen Schwingen leicht und schwerelos nach der Dunkelheit griffen und sie wie Schleier unter sich begruben. Wie von weit her hörte er auch ein leises, stetiges Pochen, und die gedämpften Laute von arbeitenden Computern. Der Gang machte eine Biegung und Artmann erkannte die Lichtquelle: Hinter der Tür am Ende des Flures brannte immer noch Licht, das durch den Spalt unter der Tür hindurch floh und sich auf dem Boden vor Artmanns Füßen ausbreitete. Freudenstein war also noch hier. Gut. Artmann hatte schon befürchtet, der alte Stümper hätte es sich doch anders überlegt und wäre früher gegangen. Denn Artmann hatte noch eine kleine Rechnung mit ihm zu begleichen, bevor er sein Werk vollenden würde. Er öffnete die Tür mit Schwung. Der dahinterliegende Gang war hell beleuchtet. Keiner von den Assistenten, die sonst hektisch von Raum zu Raum rannten, war mehr hier. Artmann warf einen Blick in eines der Zimmer. Es war leer, der Schreibtisch hinter dem Computer war verlassen, eine Plastikfolie bedeckte Tastatur und Monitor. Sie hatten ihn alle im Stich gelassen. Artmann ging weiter, immer dem Tipp - Geräusch nach, das schnelle Finger auf einer Tastatur verursachten. Das Geräusch kam aus Freudensteins Büro. Artmann ging wild entschlossen darauf zu. Er riss die Tür im selben Moment auf, in dem seine Tochter die Augen aufschlug. Freudenstein fuhr in seinem Stuhl herum, zu Tode erschrocken, das einfallende Gesicht bleich. "Gerhard," stieß er hervor. "Papa..." murmelte das Mädchen. "Guten Abend," sagte Artmann. "Hast du schon alles erledigt?" "Oh, nein, noch nicht ganz. Mit dem Schreibkram werde ich aber bald fertig sein, schätze ich. Dann werde ich mich daran machen, die Kulturen zu vernichten." Artmann nickte. "Ich habe noch einige Dinge hier, die ich abholen wollte." Freudenstein machte eine einladende Geste. "Ja, bitte." Artmann durchquerte das Zimmer und ging zu seinem Schreibtisch, der bereits leer geräumt war. Wie oft hatte er hier gesessen und über seine neuen Fortschritte Buch geführt? Und nun war alles zunichte, wegen diesen unheilvollen Pfuschern, diesen Dilettanten, diesen Nichtskönnern, diesen Idioten, allen voran dieser Schwachsinnige Freudenstein! Nur ihretwegen war das Projekt von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen, nur ihretwegen war alles schiefgelaufen, weil sie keine Ahnung hatten, was sie taten, weil sie nie auf ihn gehört hatten, weil sie gedacht hatten, sie könnten den Ruhm einheimsen für seine Idee, weil sie ihn für einen Irren gehalten hatten und dabei allesamt viel zu beschränkt gewesen waren um zu erkennen, worum es wirklich bei der ganzen Sache ging! Es war sein Lebenswerk! Der Grund weswegen er hier war, er, Professor Gerhard Artmann. Nobelpreis für Biologie! Und nun war es alles zunichte. Er setzte seine Tochter auf dem Schreibtischstuhl ab. "Papa, was machst du? Wo sind wir hier?" "Schon gut, meine Kleine, mach dir keine Sorgen. Das ist, wo Papa immer gearbeitet hat. Bleib jetzt schön sitzen und sei still, hörst du?" Das Mädchen nickte. Artmann richtete sich wieder auf und zog eine Pistole aus der Manteltasche. Er zielte mit dem Lauf auf Freudensteins Kopf, der zwei Monitore entfernt von ihm saß und sich wieder seiner Arbeit am Computer gewidmet hatte. Wahrscheinlich hatte er etwas aus den Augenwinkeln wahrgenommen, denn plötzlich sah er auf - und Artmann drückte ab. Der Pfeil schoss aus der Pistole und bohrte sich in Freudensteins Stirn. Das Betäubungsmittel wirkte sofort. Freudenstein sackte in seinem Stuhl zusammen. Artmann rannte zu seinem Schreibtisch und begann, die Tastatur zu bearbeiten. "Papa, was machst du da?" fragte das Mädchen, das versuchte, über die anderen Monitore hinweg ihren Vater zu beobachten. "Nichts weiter," meinte Artmann. "Setz dich wieder hin und sei ruhig." Das Mädchen gehorchte widerwillig. Plötzlich ging die Glastür hinter ihr auf. Sie drehte sich um und warf einen Blick in den dunklen Gang, auf den eine weitere Glastür folgte. Artmann gab das Passwort ein - ein Wunder, dass er es überhaupt wissen durfte - und drückte die Entertaste. Mit einem Zischen öffnete sich auch die letzte Tür. Er eilte zur ersten Glastür, den Korridor entlang, durch die zweite Tür, quer durch den Raum bis zu dem Tisch an der hinteren Wand. Ein Glasquader war über dem Tisch angebracht, der die Kulturen isolierte. Artmann betätigte den roten Knopf, und der Quader wurde geöffnet. Dann holte er die drei Spritzen hervor und füllte sie. Ein Gefühl der Macht überkam ihn. 'Macht ist ein gefährliches Gut. Der, der sie besitzt, nützt sie aus, und der, der sie nicht besitzt, wird von ihr ausgenützt.' - 'Nütze das, was du hast, denn was Besseres wirst du nicht kriegen.' Artmann ließ die Spritzen in seine Manteltasche fallen und verließ den Raum wieder. Dann hörte er die Stimme. Eine männliche Stimme, eine sehr bekannte Stimme. Sie gehörte Dr. Bäumer. Bäumer! Dieser Mistkerl! Was wollte der noch hier? Er würde seinen ganzen Plan durcheinanderbringen! Artmann ging den Flur entlang, und seine Hand schloss sich um die Spritzen in seiner Tasche. "Was ist hier los?" hörte er Bäumer fragen. "Was ist mit ihm passiert? Und was machst du hier? Wer bist du überhaupt?" "Ich heiße Janine," antwortete das Mädchen. "Aber ich weiß nicht, warum ich hier bin. Mein Papa hat..." Artmann trat in den Raum und sah Bäumer verwirrt neben seiner Tochter stehen, die auf Freudensteins Schreibtisch saß. Bäumer riss den Kopf hoch. "Gerhard, was..." Weiter kam er nicht, denn Artmann stürmte plötzlich auf ihn los, riss eine Spritze aus seinem Mantel, und noch ehe Bäumer ein weiteres Mal Atem holen konnte, rammte Artmann ihm die Spritze in den Oberarm und drückte die Viren in seinen Körper. Ein markerschütternder Schrei entrang sich Bäumers Kehle. Er taumelte ein paar Schritte rückwärts und hielt sich mit der anderen Hand seinen Arm. "Was...was...?" stammelte er. Artmann lachte auf. "Ach, nichts weiter," sagte er sarkastisch. "Nur ein kleines Dankeschön dafür, dass du deine kostbare Zeit für mein Projekt geopfert hast, dass du mir so treu ergeben warst und nie deinen Glauben an meine Idee aufgegeben hast." Bäumers Lippen bebten. "Was war das?" fragte er, und seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. "Was hast du mir gespritzt?" "Das, was du aus meiner Idee gemacht hast, Helmut. Du und all die anderen." Artmann sah zu Freudenstein hinüber, der immer noch betäubt in seinem Stuhl hing. Bäumer schluckte. "Deine Idee," stieß er leise hervor. "Du hast mir..." Seine Augen bewegten sich schnell hin und her, und dann, als ob er erst jetzt das volle Ausmaß dieser Tatsache begreifen würde, blickte er Artmann plötzlich direkt in die Augen und schrie: "Du verdammter Irrer! Ich werde dich umbringen!!" Bäumer sprang auf Artmann zu, legte ihm seine Hände um die Kehle und drückte zu. "Nein!" schrie das Mädchen. "Papa! Nein!" Mit einiger Mühe konnte sich Artmann aus Bäumers Würgegriff befreien. Er stieß ihn mit voller Kraft nach hinten, so dass dieser gegen die Wand plumpste. Bäumer sprang sofort wieder auf die Füße und wollte erneut angreifen, doch er hielt inne. Artmann hatte eine weitere Spritze aus seinem Mantel gezogen. Er grinste hämisch. "Nur zu," sagte er und ließ die Spritze vor Bäumers Nase baumeln, "Tu was du nicht lassen kannst. Ich werde dich nicht daran hindern. Also, worauf wartest du noch?" Bäumer machte vorsichtig wieder einen Schritt zurück und schüttelte langsam den Kopf. "Du bist verrückt," flüsterte er. "D - du bist vollkommen übergeschnappt!" Seine Stimme steigerte sich zu einem hysterischen Piepsen. Artmann lachte laut. "I - ich werde sterben! Du hast - du wirst - du bist ein Mörder! Du bist wahnsinnig!!" schrie Bäumer. Dann rannte er wie von Sinnen auf Freudensteins Schreibtisch zu, packte den darauf stehenden Monitor und ließ ihn zu Boden krachen. Glas zerbarst, und Funken sprühten. Das Mädchen kreischte. "Ha ha, ich werde sterben!" rief Bäumer wieder, und brach plötzlich in einen Lachanfall aus. "Ich werde sterben, ich werde sterben," kicherte er immerzu. Er krümmte sich, sank in die Knie und hämmerte mit seinen Fäusten auf den Boden. Ein plötzliches Stöhnen ließ Artmann seinen Blick von Bäumer abwenden. Freudenstein bewegte seinen Kopf hin und her und schlug die Augen langsam auf. Dann setzte er sich wieder gerade hin, schüttelte sich noch einmal und fasste sich an die Stirn. Vorsichtig zog er den Betäubungspfeil heraus und betrachtete ihn nachdenklich, bevor er ihn mit einem Kopfschütteln ablegte. Dann sah er sich um. Bäumer wälzte sich inzwischen vor Lachen am Boden, wo der Monitor zerbrochen lag, das kleine Mädchen saß mit schreckerfüllten Augen vor ihm auf dem Schreibtisch, und Artmann stand da, in seinem schwarzen Mantel, mit einer Spritze in der Hand. Ein verdutzter Ausdruck trat in Freudensteins Gesicht. Sein Blick blieb an der Spritze in Artmanns Hand haften, und plötzlich funkelten seine Augen wissend. "Gerhard, was ist hier los? Was wird hier gespielt?" fragte er scharf. "Und Doktor Bäumer, warum sind Sie hier? Was machen Sie bitteschön da am Boden? Und was ist mit meinem Monitor passiert?" "Ich war's, ich war's!" rief Bäumer, und schlug seine Fäuste wieder auf das Linoleum. "Warum haben Sie das getan?" Freudenstein stand auf. "Warum haben Sie meinen Monitor ruiniert?" Anstatt einer Antwort bekam er nur Gekicher zu hören. "Herr Doktor Bäumer befindet sich zur Zeit in einer Art Schockzustand," erklärte Artmann ruhig. "Aber er wird sich bald wieder beruhigen." Sobald er sich mit seinem Schicksal abgefunden hat, ergänzte er in Gedanken. Freudenstein schlug mit der Hand auf den Tisch. "Ich finde das jedenfalls nicht lustig," sagte er nun in einem harten Ton. "Gerhard, könntest du mir bitte erklären, was das hier soll? Warum zum Teufel hast du dieses Ding auf mich abgeschossen?" Er deutete mit dem Kopf in Richtung des Pfeiles." Damit du für kurze Zeit betäubt warst," antwortete Artmann trocken. "Warum - ?!" fragte Freudenstein wütend. "Damit ich in aller Ruhe nach hinten gehen und meine Spritzen" - Artmann schwenkte die eine in seiner Hand - "aufladen konnte." Freudenstein schüttelte ungläubig den Kopf. "Bist du denn verrückt geworden? Was bezweckst du damit? Womit hast du die Spritzen überhaupt gefüllt?" Die Antwort bestand nur aus zwei Worten, aber sie traf Freudenstein wie einen Schlag: "Mit Lyon." Freudenstein rang nach Luft. "Du bist verrückt geworden," stellte er fest. "Was - Warum - Ich meine, was soll das alles? Warum tust du das?" Artmann grinste wieder sein hässliches Grinsen. "Rache ist süß, Maximilian." Freudenstein schluckte. "Was hast du mit Bäumer gemacht?" fragte er. Artmann hielt die Spritze hoch und tat so, als würde er jemandem den Inhalt injizieren. Freudenstein verstand. "Warum?" flüsterte er. "Er wollte mir meinen Plan zunichte machen," entgegnete Artmann. "So, wie du mir alles zunichte gemacht hast, was ich mir ausgedacht hatte." Er vollführte wieder die Spritzbewegung. "Und darum bist auch du an der Reihe, Maximilian. Denn wie du dich vielleicht noch erinnern kannst, hast du mir vor nun fast genau einem Jahr versprochen, ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen, wenn du die Leitung übernähmst." Er ahmte die raue Stimme des Professors nach: " 'Mach dir keine Gedanken, Gerhard, ich habe alles unter Kontrolle. Wir werden deine Idee verwirklichen, und das Ergebnis wird besser sein, als du es dir je erträumen könntest.' " Freudenstein atmete schwer. "Du weißt, Gerhard, ich habe alles Erdenkliche versucht, um dieses Versprechen einzuhalten." Artmann lachte auf. "Ja, und in einem Punkt ist es dir sogar gelungen: Ich hätte mir das Ergebnis dieses Projekts tatsächlich nie träumen lassen!" "Es war niemals so beabsichtigt. Wir haben einen Fehler gemacht. Ich habe einen Fehler gemacht. Es tut mir sehr Leid, und ich wünschte ich könnte die Zeit noch mal zurückdrehen, aber ich kann es nicht," erklärte Freudenstein mit einem leichten Zittern in der Stimme. "Oooh!" machte Artmann. "Natürlich, es tut dir ja so schrecklich Leid!" Er lachte wieder. Bäumer stimmte vom Boden aus in das Gelächter ein. Das kleine Mädchen saß nur da und starrte mit großen, ängstlichen Augen abwechselnd die drei Männer an. "Ich weiß doch genau, was du vorhattest. Du und deine idiotischen Helfer!" Artmann warf einen Blick auf Bäumer, der nun auf den am Boden liegenden Monitor zukroch und leise vor sich hin kicherte. "Du hast mich für einen Spinner gehalten, nicht wahr? Für einen nichts wissenden Dummkopf. Und als ich dann diese geniale Idee hatte, hast du es mit der Angst zu tun bekommen. Ich könnte schlauer sein als du. Ich könnte mehr Erfolg haben. Hast du das nicht befürchtet?" Er machte einen Schritt auf Freudenstein zu und schwenkte dabei bedrohlich mit seiner Spritze. Freudenstein schluckte. "Und so hast du sofort die Leitung des Projekts übernommen - ich möchte gar nicht wissen, mit welchen Mitteln du das bewerkstelligt hast," fuhr Artmann fort. "Du wolltest den Ruhm ernten, für das, was ich mir so mühevoll und geistreich ausgedacht hatte. So war es doch, nicht wahr? Und als das Ganze schiefging, wolltest du mir die Schuld dafür in die Schuhe schieben. Schließlich war es meine Idee. Du hast ja von Anfang an gewusst, dass das Projekt ein Fehlschlag werden würde. Du hast ja immer schon gesagt, dass ich nichts weiter als ein Irrer sei. Doch du warst..." Artmann holte aus, die Spritze in der Hand, "...Du warst ja Schuld an dem ganzen Desaster! Du nichts könnender, dilettantischer Stümper! Hast du wirklich gedacht, ich lasse das so einfach mit mir machen? Hast du wirklich geglaubt, ich lasse das Ganze so auf sich beruhen? So?" Freudenstein schnappte beim Anblick der Spritze nach Luft. Seine Augen waren weit geöffnet, und Schweiß saß ihm auf der Stirn. Artmann grinste und lachte in sich hinein. "Das hast du, nicht wahr?" Er bekam keine Antwort. "Du Narr!" schrie er. Er fing wieder an zu lachen, und seine Stimme hallte voller Hohn von den Wänden wider... Soweit die Leseprobe, der Anfang des Romans, der 227 Seiten umfasst. Zum Weiterlesen hier das gesamte Manuskript als virensichere RTF-Datei: "LYON"
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