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Versteckte Seelen
Eine Kurzgeschichte von Sandra Berndt
Wenn sie einen Raum betritt und sei es nur die Damentoilette, in einem einfachen Restaurant, erstrahlt dieser augenblicklich in einem helleren schönerem Licht.
Sie ist sehr gutaussehend. Viele Menschen drehen sich auf der Straße nach ihr um. Männer finden sie anziehend und Frauen beneiden sie. Niemand sieht, dass sie schon tot ist, danach sieht sie auch wirklich nicht aus. Nachdem sie verstarb, wuchsen ihre Haare weiter. Sie konnte sich auch weiterhin bewegen. Sie hörte nicht auf zu atmen und ihr Herz hörte nicht auf zu schlagen. Sie hörte nur auf zu lachen und zu weinen.
Es war Spätsommer als Melissa und ihre Freundin gemeinsam zum Spielplatz gingen. Sie haben dort verstecken gespielt. Die Freundin hat bis fünfzig gezählt, die Augen geöffnet und dann angefangen Melissa zu suchen. Sie hat überall gesucht, doch Melissa hat sie nirgends gefunden. Die Freundin hat lediglich Melissas Haarband hinter einen großen Eiche entdeckt. Sie hat dann begonnen nach ihr zu rufen, immer wieder hat sie "Melissa" geschrieen, doch sie hat nicht geantwortet. Die Freundin hatte irgendwann keine Lust mehr zu suchen, außerdem wurde es dämmerig und sie musste nachhause.
Es war Anfang Herbst, als das Versteckspiel ein Ende hatte, als aus Angst Wirklichkeit wurde und aus Hoffnung Schmerz.
Es war Anfang Herbst, als der Himmel plötzlich dunkel wurde, und es begann wie aus dem Nichts zu regnen. Jemand ging wie jeden Tag mit seinem Hund im Wald spazieren. Er nahm dann eine Abkürzung in Richtung Stadt, um nicht völlig nass zu werden. Der Regen wurde immer stärker, man konnte kaum noch etwas erkennen. Jemand stolperte und fiel in nasses Laub. Der Hund hat angefangen laut zu bellen, kurz darauf hörte man einen lauten Schrei.
Jemand hatte Melissa gefunden.
Sie erfuhr noch am gleichen Tag davon. Zwei Männer sagten es ihr. Die Männer waren Polizisten. Ihre Tochter hatte sich nicht versteckt. Sie ist versteckt worden. Ein Mann hat sie missbraucht, gequält und dann mit acht Messerstichen getötet. Die Anzahl der Messerstiche stimmt mit Melissas Alter überein.
An diesem Tag ist sie verstorben. Sie starb mit den Worten „Ihre Tochter wurde heute Vormittag tot aufgefunden“
Nun ist es Winter und man hat mittlerweile noch zwei Mädchen gefunden die beim Verstecken spielen mit ihren Freundinnen gewonnen haben.
Es ist Winter und die Polizei hat den Mann noch nicht gefunden der die Kinder versteckt hat.
Er ist sehr gutaussehend. Viele Menschen drehen sich auf der Straße nach ihm um. Frauen finden ihn anziehend und Männer beneiden ihn. Niemand sieht, dass er ein Mörder ist, danach sieht er auch wirklich nicht aus.