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Der König und die Nachtigall Ein Märchen von Peter Palmer Es war einmal ein König, dem gehörte ein großes Land mit all den Bergen und Tälern, Wälder und Flüssen, Menschen und Tieren. Er besaß, wie jeder richtige König, ein großes Schloss, dass von einem herrlichen Park umgeben war. In diesem Park lebte auch ein Nachtigallenpärchen. Es ist nicht nötig zu erwähnen, dass dies genauso sein Eigen war, wie auch deren Gesänge. Als sich eines Tages Nachwuchs einstellte, beobachtete der König dessen Entwicklung sehr sorgsam. Eines Abends hörte er, wie das Junge zu singen begann. Dem König gefiel der Gesang so sehr, dass er es nicht ertragen konnte, irgendein anderer könne diese Laute vernehmen. Er wollte alles ganz für sich alleine haben und so gab er den Befehl, man möge einen großen goldenen Käfig bauen, den schönsten im ganzen Land. Als der fertig war, ließ er den so herrlich singenden Nachwuchs einfangen und in den goldenen Käfig sperren. Dort sang der junge Vogel viele Jahre und der König war sehr stolz darauf. Und ganz besonders, als er auch noch Vater wurde. All die Jahre lebte der Vogel zufrieden vor sich her und übersah die Gitterstäbe, sie störten ihn einfach nicht, brauchte er doch nur einen Wunsch zu äußern und er wurde ihm erfüllt. Was wollte er mehr zum glücklich sein? Doch eines Nachts verstummte dieser Vogel und wollte einfach nicht mehr singen. Plötzlich fühlte er sich doch eingesperrt und dachte nur noch darüber nach, wie er diesem Käfig entkommen könne. Wo ein Wille, da auch ein Weg, so ist das im Leben! Und so schuf er sich einen kleinen geheimen Tunnel, der ihn in einer anderen, völlig neuen Welt auftauchen ließ. Auch wenn er in dieser anderen Welt wieder in einem Käfig erschien, so war es doch ein kleines Stückchen Freiheit, von der die junge Nachtigall nun jede Nacht ein wenig zehren konnte. Somit störte dieser neue Käfig auch nicht weiter, ganz im Gegenteil, gab er ihr doch auch die nötige Sicherheit. Kein anderes Männchen konnte in diesen Käfig eindringen. Nach einiger Zeit aber fühlte sie die Gitterstäbe dieses Käfigs, die wahrlich nicht von goldner Farbe waren, dann doch als Einschränkung. Ihr Verlangen nach noch mehr Freiheit wuchs immer stärker. So dauerte es auch nicht lange und die junge Nachtigall lernte einen anderen Menschen kennen und verliebte sich in ihn. Da Liebe blind macht, konnte sie nicht sehen, dass dieser andere ein weltbekannter Vogelfänger, Käfigbauer und anderes mehr war. Während sie zutiefst von seiner Erfahrenheit und Weltgewandtheit beeindruckt war, hatte er hingegen sofort erkannt, dass andere Vogelmännchen viel Geld bezahlen würden, nur, um den Gesang dieser Nachtigall zu hören. So stülpte er erneut einen Käfig, diesmal aber einen unsichtbaren, über seinen neuen Vogel und befreite ihn aus allen anderen Käfigen. Überglücklich über diese neue Freiheit, wollte die junge Nachtigall nur für ihn singen. Er war ihr neuer König. Unmerklich für sie, hatte er im Laufe der Zeit schließlich alle Schlupflöcher, die einen Weg aus der Falle hätten sein können, verstopft. Auch ein Weg zurück, zum König des Landes, bestand nicht mehr. Als er dann auch noch sicher war, dass der König keine Gefahr mehr für ihn war und ihm nicht mehr nachstellen konnte, legte er endlich sein königliches Gewandt ab und sie sah all die anderen, wahren Gesichter. Zu ihrem Schrecken erkannte sie auch das Gesicht eines Konzertmanagers. Doch da es war schon zu spät. Fortan stand sie nun auf der Bühne und sang jeden Abend ihre traurigen Lieder. Das Publikum aber war himmlisch begeistert. Die Preise für die Eintrittskarten waren dann auch dementsprechend hoch. Aber niemanden schreckte dies, im Gegenteil. Ihre Lieder betörten einfach jedes Männchen. Dies lief einige Jahre äußerst zufriedenstellend für den Konzertmanager, aber, eines Nachts versagte ihre Stimme erneut. Doch diesmal für immer. Es half nichts, sie konnte einfach nicht mehr singen. Was aber sollte er, der Konzertmanager, nun machen, mit einer Nachtigall, die nicht mehr singen kann. Sie war für ihn nutzlos geworden und so landete sie bei dunkler Nacht ganz einfach in der Gosse. Nun nahm das Schicksal seinen raschen Lauf. Schon nach kurzer Zeit tauchten dort die ersten Katzen dieser Gegend auf. Ihre funkelnden Augen erschienen von allen Seiten. Da unsere Nachtigall aber nie das Fliegen gelernt hatte, war ihr Ende sang- und klanglos. Und als am nächsten Morgen die königlichen Straßenkehrer kamen, sorgten sie dafür, dass der Wechsel von der Nacht zum Tag spurlos blieb. Zum Seitenanfang |