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Der Plan

Von Michael Wagner

Eigentlich war es ganz klar. Es konnte gar nicht anders sein, musste so kommen. Da gab es gar keine andere Möglichkeit. Für seine Freunde war es, auch wenn sie sich nie getraut hatten, daran zu denken, die logische Reaktion auf diese Nachricht.

„Ich hätte ja auch daran gedacht“ sagten sie sich,  „aber es dann einfach so auch tun, ich weiß ja nicht...“. Dabei war es gar nicht so einfach gewesen, das hatte schon bei der Organisation begonnen:

Welche Ort wäre wohl der richtige gewesen? Im Wald? Zu Hause? Auf dem Dachboden? Oder doch direkt im Krankenhaus? Er hatte sich für zu Hause entschieden. Die anderen Orte hätten nur unnötig Aufsehen erregt. Und das wollte er ja nicht. Er wollte es still für sich durchziehen, schließlich tat er es nur für sich, ohne Rücksicht darauf, was die Andere dazu sagen mögen. Das ging sie nichts an.

Dann gab es da noch die Frage des „Wie?“. Sicherlich hatte er schon mehr als genug Variationen im Fernsehen gesehen, doch so richtig sicher kam ihm nur die eine vor. Die anderen Alternativen bargen zu viele Risiken in sich, die das Gelingen seine Plans in Gefahr bringen konnten.

Er malte sich lebhaft aus, wie er es durchführen wollte, was er beachten und besorgen musste.

Die frage OB er es tun sollte, stellte er sich nie. Da gab es nichts zu diskutieren, der Fall war klar und keiner könnte ihn davon abbringen.

Das stand für ihn schon in dem Moment fest, in dem er die Diagnose hörte. Während der Arzt ihm noch zu erklären versuchte, welche Maßnahmen es zu treffen galt, um ihm die Schmerzen zu lindern, bastelte er bereits an seinem Plan. Welchen Sinn sollte es machen, sich von den Ärzten mit Drogen voll stopfen zu lassen, nur damit er am Ende in seinem Bett lag, keine Schmerzen aber auch kein Leben hatte? Warum sollte er sich und seiner Familie so was antun? Jeder würde leiden, er, seine Freunde, die Krankenkasse.

Er hatte sich für einen Strick entschieden. Das war eine sichere Sache. Er lebte alleine, keiner würde ihn finden und wenn, dann war bereits seit längerer Zeit tot. Er war schon neugierig, wer ihn wann finden würde, doch er glaubte nicht an Seelenwanderung und fand sich daher mit dem Gedanken ab, es nie zu erfahren.

Bei der Durchführung gab es lediglich zwei Probleme, die gemeistert werden wollten:

Zum einen der Knoten. Hier schaffte ein Buch über Seemannsknoten Abhilfe, das er in der Bücherei geliehen hatte. In seinem Abschiedsbrief bat er den ehrlichen Finder seiner Leiche, das Buch fristgerecht zurückzubringen. Er rechnete nicht damit, vier Wochen unter seiner Decke zu baumeln.

Das zweite Problem Die Befestigung des Stricks. Er kam zu dem Ergebnis, dass er nicht drum rum kommen würde, einen dicken Haken in der Decke einzudübeln und dem Ganzen mit Gips die nötige Dauerhaftigkeit zu verschaffen. Als die Vorrichtung endlich fertig war, befestigte er den Strick am Haken stellte einen Stuhl daneben, stellte sich darauf und legte die Schlinge um seinen Hals.

Zum ersten Mal wurde ihm in aller Deutlichkeit bewusst, was er vor hatte. Er durchsuchte seine Gedanken nach Zweifeln an seinem Vorhaben, doch es meldeten sich keine. Er guckte sich noch einmal in seiner Wohnung um, schaute auf den Stuhl und sprang hinunter. Gut 40 Zentimeter über dem Boden baumelnd und nach Luft schnappend stieß er den Stuhl mit den Füßen um. Es gab kein Zurück mehr. Seine Lungen versuchten, an Sauerstoff aufzunehmen, was zu ihnen drang und verzögerten dadurch unnötig das Erreichen seines Ziels. Schließlich war es geschafft. leblos hing sein Körper am Seil, seine Zunge hing aus dem Mund, als wolle sie das arme Schwein, das den Körper findet auch noch verhöhnen. Seine Augen waren offen und strahlten eine leblose Erleichterung aus.

*****

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