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Roy und die AufnahmeprüfungHeute ist es soweit. Heute werden alle neuen Schüler geprüft. Heute erweist es sich, ob Roy, Romy und Racket würdig sind, die Schule Raperpotz zu besuchen. Roy hatte immer noch ein schlechtes Gewissen. Seinetwegen würden sie nun eine besonders schwere Prüfung bestehen müssen! Aufgeregt standen sie vor der Schule im Hof und warteten. Jeweils drei Schüler wurden zusammen in einer Gruppe geprüft und natürlich würden die drei R’s, Roy, Romy und Racket in einer Prüfungsgruppe sein. Auch wenn sie vorher nicht sicher darüber waren, so bestand wohl seit dem gestrigen Abend kein Zweifel mehr daran. Gleich nach dem Frühstück wurden die ersten drei Schüler zur Prüfung ins Haus geholt. Es dauerte fast zwei Stunden, dann kamen sie freudestrahlend heraus. “Wir haben es geschafft! Wir sind aufgenommen.” Und schon waren sie verschwunden, noch bevor Roy sie nach der Prüfung fragen konnte. Irgendwo in der Umgebung würden sie diesen Tag genießen können, denn sie hatten alles hinter sich. Schössel kam vorbei und ärgerte die drei, die vor Ungeduld schon ganz krank waren: “Naja. Wird wohl nicht viel werden mit der Schule Raperpotz nach dem gestrigen Abend. Hättet lieber auf mich hören sollen. Aber bitte, ihr müsst ja immer alles besser wissen, ihr Neunmalklugen.” Keiner von ihnen mochte darauf antworten. Racket war übel und Roy hatte auch keine Lust, sich mit Schössel zu streiten. “Werdet wohl eure Koffer packen müssen. Bin gespannt, was Meister Guckifix dazu sagen wird. Naja, begeistert wird er jedenfalls nicht sein.” Jetzt hatte Roy genug. “Wenn du uns gestern gewarnt hättest, dann wäre das alles nicht passiert!” Beleidigt verschwand sie wieder zu den anderen Wolken. “Bin ich vielleicht ein Wachhund? Bin ich vielleicht schuld, wenn ihr ein Verbot missachtet?” Sie hatte ja recht. Roy hatte sich die Suppe selber eingebrockt und wird sie jetzt auch selber auslöffeln müssen. Doch im Moment hatte er andere Sorgen, als sich von Schössel ärgern zu lassen. Was werden sie wohl wissen wollen in dieser Prüfung? Von einigen älteren Schülern hatte er gehört, dass keinen zwei Schülern jemals dieselben Fragen gestellt wurden, jedenfalls nicht in diesem kleinen Zimmer. Und dann wurden sie alle so unheimlich schweigsam. Keiner von ihnen schien gern darüber zu reden und mehr konnte er auch nicht erfahren. Wenig später kam Sam freudestrahlend aus der Schultür gelaufen. “Ich habe es geschafft! Es war ganz einfach. Ich bin in der Schule Raperpotz.” Er stürmte hinaus auf den Hof und schlug lauter Purzelbäume vor Glück. “So schwer kann es doch gar nicht sein,” hoffte Racket. “Ja, für ihn nicht, aber für uns schon.” Und wieder fühlte Roy dieses unangenehme Gefühl in der Magengrube. Wenn es doch nur schon vorbei wäre! Als nächste kam Marie heraus. Sie war kreideweiß. Traurig ließ sie ihren Kopf hängen. Sie war durchgefallen. “Oh Gott,” stöhnte Racket. “Ich werde das niemals schaffen. Niemals!” Er steckte seinen Kopf zwischen seine Knie und Roy schien es, als ob er niemals dort wieder hervorkommen wolle. Auch Ed Fischer kam bleich wie eine Wand aus der Schultür. Doch er hatte bestanden und wurde ein Schüler der Schule Raperpotz. Die drei R‘s saßen als letzte an der Hinterwand des Hofes. Stehen konnten sie nicht mehr. Alle hatten ihre Prüfung bereits absolviert. Etwa die Hälfte hatte bestanden, die anderen mussten ihre Koffer packen und nach Hause fahren. Unsere drei Helden saßen immer noch wie auf Kohlen in dem Hof, als endlich Morella an der Tür erschien und ihre Namen rief. Sofort sprangen sie auf und folgten ihr ins Haus. Racket war schon völlig entkräftet vom langen Warten, doch auch froh, dass es nun endlich ein Ende hatte. Obwohl Morella noch ziemlich schwach war, kam sie extra von ihrem Turm herunter, um auch ganz sicher zu sein, dass die drei eine faire Prüfung erhielten. Einige der Lehrer, allen voran Mr. Finley, hatten sich über das gestrige Ereignis sehr empört und hätten es lieber gesehen, wenn die drei von der Schule verwiesen worden wären. Roy und die beiden anderen betraten das Prüfungszimmer. Es war jedoch nicht jenes kleine Zimmer, welches sie auf ihrer Rundreise durch die Schule gesehen hatten. Es war ein ganz normales Klassenzimmer. Eine Menge Lehrer waren dort versammelt. Mrs. Weding war auch da und ganz rechts sah Roy Mr. Finley, der ihn mit strengen Augen musterte. “So, meine lieben Kinder,” begann Mrs. Weding die Prüfung. “wir haben lange überlegt, was wir mit euch machen sollen und es ist uns nicht leicht gefallen, glaubt mir.” Sie schaute kurz zu Mr. Finley, der ihr zufrieden zunickte und fuhr dann fort. “Aber wir haben uns entschlossen, euch in drei Abschnitten zu prüfen. Ihr werdet viele Fragen beantworten müssen und es gilt ein Rätsel zu lösen, das beweisen wird, ob ihr würdig seid, hier zu bleiben.” “Oh nein,” hörte Roy Racket leise vor sich hin murmeln. “Ich kann doch keine Rätsel lösen. Es ist aus. Genauso gut kann ich jetzt schon meine Koffer packen.” “Reiß dich zusammen!” flüsterte ihm Romy zu. “Also gut. Fangen wir an. Wie heißt es, den Menschen die Träume zu bringen, Romy?” “Träumeln.”, antwortete sie sofort. Roy war erleichtert. So schwer waren die Fragen ja gar nicht. “Womit werden die Träume zu den Menschen gebracht, Roy?” - “Mit dem Konkel.” “Richtig. Und wie heißt unsere Sprache, mit der das Träumeln erst möglich wird, Racket?” “Das Hunduisch.”, antwortet er stolz. Mrs. Weding schaute die drei freundlich an. “Sehr gut.” Dann wandte sie sich wieder an Romy. “Wie heißt der erste Träumelspruch?” Romy überlegte kurz und antwortete dann: “Träumel, Traumel, Trimmel drin, bring den Trimmler, Traumler, Träumler hin zu diesem Ort:” “Ja, sehr gut, das stimmt.” Dann wurde ihr Gesicht doch wieder ernster. “Roy, wie lautet die Regel für den zweiten Träumelspruch?” Als ob Roy nicht schon selbst genug darunter litt, wurde er nun gezwungen, seine Schande nochmals öffentlich zur Schau zu stellen. Trotzdem blieb seine Stimme klar und fest. “Ohne Traummantel und ohne Konkel darf der zweite Traumspruch nicht benutzt werden.” “Ja, genauso ist es. Das ist eine feste Regel, die unbedingt befolgt werden muss. Weißt du auch, warum?” Sie schaute ihn durchdringend an. “Weil uns sonst die Menschen sehen können in ihren Träumen.” Zufrieden lächelte Mrs. Weding und richtete die nächste Frage an Racket. “Wer hat die Schule Raperpotz erbaut, Racket?” “Ich weiß es, ich weiß es!”, schrie Racket lauthals vor Freude. Doch dann wurde er wieder furchtbar traurig. “Verdammt, ich weiß es doch nicht. Ich weiß es nicht mehr. Ich habe es gewusst, doch ich habe es vergessen.” Morella redete ihm zu: “Racket, streng dich an. Denk nach. Du weißt es.” “Nein. Ich habe es vergessen. Ich weiß es nicht mehr.” Wie gern würde Roy seinem Freund jetzt helfen! Natürlich wusste er, wer es war. Doch er durfte keinen Ton von sich geben. Dies war eine Prüfung. “Es war Meister Sotalex!” kam es aus Racket herausgepoltert. “Ja. Meister Sotalex hat die Schule erbaut. Ganz sicher. Meister Sotalex.” Mrs. Weding schaute ihn zufrieden an. “Ja, du hast recht. Es war Meister Sotalex. Der zweite Abschnitt der Prüfung findet im Nachbarzimmer statt. Bitte geht jetzt dort hinein. Euer Prüfer wird Mr. Finley sein.” Roy ahnte nichts Gutes. Dieser Finley hatte es auf ihn abgesehen. Das spürte er ganz deutlich. Doch was blieb ihm übrig, als mit den anderen hinüber zu gehen und die nächsten Fragen abzuwarten? Das Zimmer war hell erleuchtet und sie waren mit Mr. Finley allein. Er schloss sofort die Tür und begann in seiner unfreundlichen Art mit der Prüfung. “Wenn es nach mir gegangen wäre, wärt ihr von der Schule geflogen, allesamt. Auch du, Roy Raperpotz. Aber der Schulrat hat beschlossen, dass nur einer von euch gehen muss. Ihr könnt selbst entscheiden, wer das sein soll. Ich werde in einer halben Stunde wieder hier sein und dann möchte ich eine Antwort von euch. Habt ihr mich verstanden?" Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte er sich um und verließ das Zimmer. “Dieser widerliche Mistkerl!” entfuhr es Racket. “Ich bin sicher, er hat sich das ausgedacht.” - “Was machen wir jetzt?” fragte Romy traurig. “Ich werde gehen.” antwortete Racket sofort. “Ich bin schon durch so viele Prüfungen gefallen. Eine mehr oder weniger macht nun auch nichts mehr aus und außerdem würde ich das Rätsel sowieso nie lösen können.” Doch Roy war damit nicht einverstanden. “Nein, Racket, du bist jetzt schon so weit gekommen. Es war meine Schuld, dass wir jetzt in dieser Patsche sitzen. Also werde ich gehen.” “Das stimmt doch gar nicht, Roy!” widersprach Romy. “Wir alle haben mitgemacht. Wir alle waren Schuld daran, nicht du allein.” “Aber einer von uns muss gehen. Du hast es gehört. Und Regeln sind heilig hier in der Schule Raperpotz.” “Dann gehe ich.” schlug plötzlich Romy vor. “Roy muss hierbleiben und das Träumeln lernen und du musst ihm dabei helfen, Racket.” “Genausogut kannst du ihm dabei helfen.” erwiderte Racket schnell. Romy setzte sich nachdenklich auf einen Stuhl. “So werden wir keine Lösung finden.” “Ja. Aber einer von uns muss gehen.” Racket setzte sich neben sie. So saßen die drei sehr lange und jeder von ihnen war bereit, für den anderen die Schule zu verlassen. Dann ging die Tür auf und Mr. Finley führte sie in das andere Zimmer, wo noch immer alle Prüfer saßen und gespannt auf ihre Antwort warteten. “Also, Roy Raperpotz, wer soll eurer Meinung nach die Schule verlassen?” Roy hatte einen Entschluss gefasst und verkündete die einzige Lösung, die ihm eben erst eingefallen war: “Wir konnten uns nicht entscheiden, wer gehen soll, also werden wir alle drei die Schule verlassen.” Traurig senkte er seinen Kopf. Doch - oh Wunder! - Morella war mit seiner Antwort sehr zufrieden und antwortete ruhig und freundlich: “Ihr habt auch diese Prüfung bestanden, Roy Raperpotz. Eure Freundschaft ist euch mehr wert als euer eigenes Schicksal. Das sind Eigenschaften eines wahrhaft guten Menschen. Ihr dürft nun alle drei zu dem dritten Abschnitt der Prüfung gehen.” “Wir müssen die Schule nicht verlassen?” staunte Roy und Racket brachte vor Freude keine einzige Silbe über seine Lippen. “Nein.” sagte Mrs. Weding und lächelte dabei. “Aber in das nächste Zimmer darf immer nur einer von euch gehen. Roy Raperpotz, du bist der erste.” Morella nahm ihn bei der Hand und sie betraten das Zimmer, jenes dunkle Zimmer mit dem Spiegel an der Wand, der so seltsame Reaktionen unter den Schülern ausgelöst hatte. Nur selten verspürte Roy Angst, doch in diesem Augenblick durchzitterte ihn etwas. Als Morella die Tür Schloss, war es fast vollkommen dunkel, nur von dem Spiegel ging ein seltsames Licht aus. Sie führte ihn direkt davor und stellte sich etwas seitlich von ihm. “Schau in den Spiegel, Roy. Was siehst du?” “Ich sehe mich. So, wie ich mich in den Fenstern des Schlosses sehe.” - “Ja, aber sieh genauer hin, was siehst du noch?” Roy sah den Jungen an, der ihn mit großen Augen verzweifelt anstarrte, ihn fragend musternd, als ob er etwas von ihm wissen wollte. Dann sah Roy den Jungen weinen - in der Ferne kam ein unglaublicher Regenguss mit Donner und Blitz immer näher. Was der Junge auch versuchte, er konnte diesem Regenschauer nicht entfliehen. Und je näher der Regen kam, umso deutlicher konnte Roy darin eine Frau und einen Mann erkennen. Der Mann trug eine Krone auf seinem majestätischen Haupt und die Frau war so schön, so wunderschön, wie Roy noch niemals zuvor jemanden erblickt hatte. Und plötzlich wusste er, dass dies seine Eltern waren, die dort im Regen zu ihm eilen wollten und doch nicht konnten. Und was Roy auch tat, er konnte den Regen nicht besiegen, er konnte seinen Eltern nicht helfen. Mit Tränen in den Augen setzte er sich auf den Boden. “Was hast du gesehen, Roy?” “Meine Eltern und den Regen.” “Weißt du, was du wirklich gesehen hast?” Morella sah ihn erwartungsvoll an. “Weißt du es?” “Ich war dort und habe alles versucht, aber ich konnte ihnen nicht helfen.” “Ja. Sag mir, was es war. Was hast du gesehen? Überlege.” - “Angst?” Morella sah ihn zufrieden an. “Das war ich? Das war meine Angst?” - “Ja, Roy. Dieser Spiegel offenbart deine innersten Ängste. Doch du musst sie selbst in dir erkennen. Das war die dritte Prüfung und du hast sie bestanden.” “Aber wozu soll das gut sein?” “Der Mensch muss seine Ängste erkennen, um sie bekämpfen zu können. Nur, wenn du deine Ängste kennst und mit ihnen umgehen kannst, wirst du das Träumeln lernen können. Verstehst du, Roy?” Roy glaubte ihre Worte zu verstehen, doch noch zu sehr war er mit seinen Gedanken bei seinen Eltern. Wo sie jetzt wohl waren? Ob er sie jemals wiedersehen würde? Er war fest entschlossen, seine Ängste zu besiegen und er würde lernen, er würde lernen zu träumeln wie ein Meister, und er würde den heiligen Somnel finden und den Regen vertreiben, und eines Tages würde er auch seine Eltern wiedersehen. Er glaubte ganz fest daran. Roy wartete auf dem Hof auf Romy und Racket. Zuerst kam Romy, freudestrahlend und glücklich, die Prüfung bestanden zu haben und kurz danach auch Racket, der zwar kreideweiß durch die Tür torkelte und kaum ein Wort sagen konnte, doch aus den wenigen Silben, die er stammelte, war zu entnehmen, dass auch er bestanden hatte. Roy war sehr froh darüber. Noch lange saßen die drei diese Nacht beieinander und feierten ihren endgültigen Einzug in die Schule Raperpotz. So viel hatten sie erlebt in den letzten Tagen. Doch all das war nichts, verglichen mit dem, was noch auf sie wartete. Doch nun war Roy darauf vorbereitet. Zum Anfang des Mürchens von Roy Raperplotz hier kllcken! Zum Seitenanfang |