vorja
|
|||
|
|
Der Fremde hieß Sol Von Wolfgang Nießen Hall saß vor seinem Computer und hämmerte eine verrückte Geschichte in die Tasten, von der er besser nichts gewusst hätte. (Eine äußerst wahnwitzige Geschichte, von der ich, der Erzähler, nicht berichten würde, wenn sich mir ein Ausweg geboten hätte.) Hall wusste nicht recht weiter, seine Gedanken reisten auf einer Kreisbahn. Plötzlich klingelte es. Er stand auf, öffnete die Tür. "Na endlich", sagte ein Fremder, "es ist soweit. Wir müssen den Mond starten." Den Mond starten, überlegte Hall? Aber der Mann ließ ihm keine Zeit, weitere Überlegungen anzustellen, bei denen ohnehin nichts heraus gekommen wäre. "Alles läuft nach Plan. Heute ist Freitag, der dreizehnte und der Tag der Wölfe. Genau die Stunde, in der alles entschieden wird. Mond oder nicht Mond." Hall war nicht gerade der Typus Mensch, der einem Fremden hätte widersprechen können, wenn der nur energisch auftrat. So folgte er dem Mann. (Hallo! Ich bin´s, der Erzähler. Sie lesen immer noch? ... Nun..? Dazu sage ich lieber nichts.) Sie stiegen in einen 725er BMW Injection, mit 345er Reifen, Frontspoiler, Heckspoiler, Heckflosse, Seitenschürzen, Sonnendach, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln und Innenspiegel, Ledersitzen und manuell zu bedienendem Aschenbecher. (Natürlich ist das gar kein BMW, sondern ein umgebautes Raumschiff mit 0,3 sec. von 0 auf 100 km/h). Hall machte es sich auf dem Beifahrersitz bequem und sagte: "Was für ein geiler BMW."' "Das ist ein umgebautes Raumschiff, du Trottel", gab der Fremde zurück. Der Mann... (Nein! Ich nenn ihn Sol.) Sol lenkte den 725er auf die Autobahn, beschleunigte auf 140km/h, nahm eine Münze und warf sie über seine rechte Schulter (Das bringt Glück!), bevor er den Zigarettenanzünder drückte. Dadurch wurde aus dem BMW ein super schnelles, geiles, kleines Raumschiff, das nun auf dem Weg zum Mond war. Sol drehte sich zu Hall um. "Du mußt nur den Startknopf bedienen, sonst kann der Mond nicht abfliegen, alles andere wird vollautomatisch geregelt. Danach hast du dann 25 Jahre und 7 Monate frei, bis der Mond bei dem nächsten Planeten angekommen ist. Wir nennen ihn Tau Ceti, und die Menschen da, die brauchen einen Mond. Jeden Abend sehn sie in den Himmel und suchen einen Ort für ihre Träume." Hall war etwas verunsichert. "Du kommst nicht mit Sol?" "Ich? Mit dem altersschwachen Kahn? Nein, nein. Wir müssen vielleicht einen neuen Mond bauen, falls die Aggregate beim Start hochgehen. Ziemlich alt alles. Wir versuchen´s nur mal, können dabei ein paar Mark sparen. Verstehste?" "Warum lassen wir den Mond dann nicht einfach hier?", fragte Hall, der sich langsam Gedanken darüber machte, ob es klug gewesen war dem Fremden zu folgen. "Das ist ganz einfach, Hall, die Menschen brauchen ihn nicht mehr, keine Liebespärchen, die sich des Nachts unter seinem Schutz treffen, keine Dichter, die ihn besingen und nur noch Firmen, die überlegen, wie man ihn als Werbefläche gebrauchen könnte. Was glaubst du wohl, wie mein Boß reagiert, wenn irgendwelche Idioten da hochfliegen und ein kilometerlanges 'Trink Coca Cola' ausrollen. Nein, nein, du wirst den Job machen." Hall hatte Pech, als er auf den Startknopf drückte flog der Mond in die Luft. ( Plötzlich klingelt es. Ich gehe runter. Ein Fremder steht vor der Tür. Er grinst mich an und sagt: "Ich bin Sol!") Zum Seitenanfang // Zur Startseite |