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Die heimtückische Vergewaltigung  
eines älteren, ehrbaren Herren  

Von Udo Schmitt

Das wehrlose Opfer sank zu Boden und versuchte verzweifelt, sich  aus der festen Umklammerung seines Peinigers zu lösen. Doch es  war vergebens. Das Fettgesicht saß rittlings auf seinem Bauch und  quälte ihn genüsslich, immer wieder aufs Neue.  "Nein, nein, tun sie mir das nicht an!", rief das Opfer. Es dachte an  seine Familie, seine Karriere, seine Zukunft. 

Der Fette rauchte unbeeindruckt seine dicke Zigarre und steckte  ihm  weiter Bündel von Geldscheinen in die Jackentasche. Und als  diese voll war, begann er, sie in die Hose, in die Schuhe, in das  Hemd zu stopfen. Dem Opfer kamen die Tränen. Es fühlte sich  entehrt, missbraucht, verletzt. würdelos.

Die ganzen Jahre war er  ein ehrlicher, aufrichtiger Minister gewesen. unbedeutend zwar,  doch mit strahlend weißer Weste. So war es bis zu jenem Tage,  an dem dieser bösartige Waffenhändler beschloss, seinen guten Ruf  mit einem Schlag zu ruinieren. 

"Fünfzigtausend für den Schatzmeister, Zwanzigtausend für den  Ortsverband", rief der Händler jovial. Es schien ihm Spaß zu  machen. Der Minister ließ es willenlos über sich ergehen. Als der  ganze Spuk schließlich vorbei war, ging der Minister  voller  Abscheu unter die Dusche und wusch sich all den Schmutz von  seinem Körper und seiner Seele ab.

Danach trat er hinaus ins Freie und konnte sich ab sofort an nichts mehr erinnern. Vor allem  nicht, woher das viele Geld kam, das noch immer in seinen  Taschen steckte.  Der Wind wehte ihm einzelne Geldscheine aus der Jacke. Durch  diesen Umstand angelockt, zog er eine bunte Gefolgschaft hinter sich her, die lustig im Geldregen tanzte.

Der Minister erkannte  allmählich die positiven Seiten seiner eben erlittenen Pein. Er griff  in seine Taschen und streute das Geld in alle Himmelsrichtungen.  Seine Anhängerschar  wurde daraufhin bedeutend größer, man ließ  ihn sogar hochleben. Schließlich wurden Stimmen laut, die ihn für  das Amt des Außenministers vorschlugen. 

Es begann eine schöne Zeit. Der Minister genoss sie in vollen  Zügen. Gönnte sich so manchen Urlaub auf Kosten seiner neuen  Freunde, flog durch die große, weite Welt. Irgendwer würde die  Rechnung schon bezahlen, darum machte er sich keine Gedanken  - schließlich war er inzwischen der "bedeutende" Minister, der nur die wesentlichen Entscheidungen traf, und sich um den Kleinkram  nicht weiter kümmerte. 

Dann gab es da aber auch noch eine Opposition, die  einfach keinen Spaß verstand und sowieso nicht die  geringste Ahnung von Politik hatte. Diese zerrte den  verwirrten Minister eines Tages vor eine laufende  Kamera, worauf dieser versehentlich zugab, schon  einmal einen Tausend-Mark-Schein persönlich gekannt  zu haben.

Das Volk war sofort entrüstet und die  Zeitungen hatten ihre Schlagzeile. In riesengroßen  Buchstaben forderten sie den Rücktritt des Ministers. Der arme Minister verstand jedoch überhaupt nicht,  worum es ging. Der  Grund für die große Aufregung war  ihm schleierhaft.

Ein Rücktritt kam nicht in Betracht; er  hatte sich schließlich schon so sehr an sein neues Büro  und vor allem an seine Sekretärin gewöhnt. Außerdem  waren all seine Kollegen auch nicht viel besser als er,  das vermutete er ganz einfach einmal.

Dem Minister war  jüngst zu Ohren gekommen, dass die Tochter des  Oppositionsführers schon einmal Spielgeld in ihrem  Besitz und damit auch noch vor ihren Freunden geprahlt  hatte. Die Opposition sollte doch erst einmal den Dreck  vor ihrer eigenen Haustür kehren, bevor sie ihm ans  Bein pinkelte, rief er einem abwinkenden Journalisten  hinterher. 

Die Rechtfertigungen und Anschuldigungen nutzten jedoch nicht  viel. Es wurde  einsam um den Minister. Er hatte doch immer zum  Wohle der Partei gehandelt, alles nur in ihrem Interesse getan. Er  war das Opfer einer niederträchtigen und heimtückischen Tat.  Niemand stand plötzlich mehr zu ihm, er war ganz alleine.

Seine  Frau und die Sekretärin hatten ihn inzwischen verlassen, waren  längst über alle Berge.  Er begann zu trinken und verlor all sein Geld. Die Verzweiflung war  ihm ein ständiger Begleiter.

Da traf er eines Tages den  Waffenhändler aus alten Zeiten wieder und bat ihn um eine kleine  Spende. Dieser lachte jedoch nur höhnisch, drückte ihm aber dennoch mit einem gönnerhaften Grinsen ein Pistole aus seinen  Restbeständen in die Hand  und sagte: "Ich bitte sehr, bemühen  sie sich nicht weiter. Ich brauche wirklich keine Spendenquittung."    

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