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Stadt, nachts

Von Nada Oblivian

Wollt ihr wissen, wonach die Stadt schmeckt? Sie schmeckt nach Blut und Rotz. Es ist ein Uhr, ein Stück vor mir läuft Carlo, er heißt eigentlich Karl-Heinz und ist Bäcker, das heißt, er wäre Bäcker, wir müssen beide nicht aufstehen morgens. Carlo bleibt stehen, die Converse Allstar offen, er findet das wohl cool. Er raucht.

Wir sprechen nicht, ich nehme seine “Lucky Strike”, auch eine seiner Marotten, und ziehe, das überdeckt den Geruch nach Bleistaub, Scheiße und Benzin. Ich will seinen Arm, aber er schüttelt meine Hand fort. Er hat heute wieder die Stadt geschmeckt, es ist still und kühl, ich stecke meine Hände unter die Achseln, er läuft vor mir her.

Die Straßenlampe wirft kaltes Licht auf ein Plakat: “Jesus, das Wort, das Leben, die Wahrheit”. Direkt daneben ein buntes Poster, das für eine Pornobar wirbt. Funken fliegen, als Carlo den Rest seiner Lucky weit auf die Straße schnippt.

Carlo öffnet die Glastür, drinnen ist es warm, aber das Treppenhaus stinkt nach Pisse, wenigstens funktioniert der Aufzug. Oben gibt es kaltes Wasser, Tücher und Hoffnung, auf jeden Fall aber Wasser und Tücher.

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