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Von Maria Madlen “Julia, könntest du mir heute Abend einen Gefallen tun?”, fragte ich meine Zwillingsschwester. “Ja, und?” “Ich habe heute Abend einen wichtigen Termin mit meinem Verleger. Ich möchte ihm meinen neuen Roman vorstellen. Ja und fast zur selben Zeit habe ich aber auch ein Rendezvous mit Peter Würdest du mich bei ihm vertreten heute Abend.? Da wir uns ja zum Verwechseln ähnlich sehen, wäre das kein Problem. “Wer ist denn dieser Peter?”, fragte Julia neugierig. “Mein Freund, ich kenne ihn noch nicht lange.” “Spinnst du, ich soll dich bei deinem Lover vertreten?” “Er ist nicht mein Lover, noch nicht.” “Aha, also nur eine Frage der Zeit?” “Du sagst es, Schwesterherz.” “Ich werd’s mir überlegen, sieht er wenigstens gut aus?” “Er sieht verdammt gut aus. Leider habe ich kein Foto von ihm. Aber ich beschreib’ ihn dir: Dunkle zurückgekämmte Haare, braungebranntes Gesicht, blaue Augen, längliche Nase, sinnlicher Mund. Er ist Mitte vierzig, sehr groß und superschlank. “Also, was ist, gehst du für mich hin oder nicht, nur dieses eine Mal Julia, bitte! Du ziehst mein blaues Kleid mit dem V-Ausschnitt an, das mag er besonders an mir. Julia überlegte kurz. “Okay, meinetwegen, sagte sie. “Aber, dass du dich ja nicht in ihn verknallst!”, warnte ich meine Schwester. “Und wenn doch?, sagte Julia spitzbübisch. “Dann schick’ ich dich ohne Wasser und Proviant in die Wüste!” “Macht nichts”, sagte meine Schwester schelmisch. “Wasser und Proviant hat sicher er mit dabei. Ja und ein Kamel wird doch wohl auch aufzutreiben sein!” Jetzt packte uns beide das große Lachen. “Wo soll denn die Komödie stattfinden?, fragte Julia, immer noch lachend. “Im Holiday Inn, heute Abend um acht Uhr.” “Aber das ist ja schon in einer Stunde.” Wir machten uns beide schön und verließen gleichzeitig das Haus, ich zu meinem Verleger, Julia zu meinem Freund Peter. Wir vereinbarten, um 22.30 Uhr nach Hause zu kommen. Mein Verleger zeigte sich sehr interessiert an meinem Roman und versprach mir, sich das Manuskript so bald wie möglich anzusehen. Ich war ziemlich pünktlich um halb elf Uhr zu Hause, aber nicht meine Schwester. Bis elf wartete ich, dann wurde ich unruhig. Ich nahm mir kurz entschlossen ein Taxi und fuhr zum Holiday Inn. Ich war hochgradig nervös. “Wie wird er wohl reagieren?”, dachte ich mir. “Wahrscheinlich wird er denken, ich hätte ihn zum Narren gehalten.” Ich betrat das Lokal und steuerte auf den Tisch zu, an dem Peter und ich immer saßen. Schon von weitem sah ich die beiden. Wenigstens waren sie noch hier. “Hallo Peter, hallo Julia”, sagte ich. Meine Stimme klang ganz heiser, so aufgeregt war ich. “Ich muss dir was erklären, Peter”, begann ich. “Ich habe heute meine Zwillingsschwester Julia zu dir geschickt, weil ich einen wichtigen Termin mit meinem Verleger hatte. Es tut mir leid, aber ich wollte dir nicht absagen”, sagte ich zerknirscht. Peter schaute mich ungläubig an, sah mit undefinierbarem Blick von einer zur anderen und sagte die längste Zeit nichts. Mir klopfte das Herz bis zum Hals und ich dachte: “Jetzt ist alles aus.” Dann endlich, der Schalk sah ihm plötzlich aus den Augen, sagte er ganz unvermittelt: “Okay, ich nehme euch beide.” Wir fingen alle drei an zu lachen. ... Zum Seitenanfang |